Götz-Alsmann-Band

Hamburger spielen sich von der Hölle in den Himmel

Nordenham - Götz Alsmann glaubt, dass jeder Berufsstand seine eigene Hölle hat. Die für Jazz-Musiker sieht so aus: Ein Übungsraum voller Jazz-Legenden. Louis Armstrong ist dabei, Dizzi Gillespie ebenfalls, Miles Davis schraubt an seiner Trompete herum, Count Basie verteilt die Notenzettel. Götz Alsmann wirft einen gierigen Blick darauf und traut seinen Augen nicht: Es wird „Schnappi“ gespielt, das Lied vom kleinen Krokodil. „Ja“, erklärt er den 500 Besuchern in der ausverkauften Friedeburg. „So sieht die Hölle für Jazz-Musiker aus“.

Ein Stück vom Himmel erleben dagegen die Alsmann-Fans, die am Montagabend in die Stadthalle gekommen sind. Die Landessparkasse zu Oldenburg hatte zum Konzert mit dem TV-Star der alten Schule eingeladen. „Engel oder Teufel“ – so heißt das Programm des Entertainers. Er setzt sich an einen Flügel, an dem die Jahre nicht spurlos vorübergegangen sind. Das Instrument sieht aus wie ein Sarg auf kunstvoll gedrechselten Beinen. Nicht schön, aber mit einem schönen Klang. Vor allem, wenn einer wie Götz Alsmann davor sitzt. Mit lässiger Eleganz, den Blick immer wieder ins Publikum gerichtet, lässt er die Finger über die Tasten tanzen.

Hochkarätige Musiker

Aber es wird schnell klar, dass hier keine Ein-Mann-Show geplant ist. Die Band ist eine Auslese von hochkarätigen Musikern. Altfrid Maria Sicking (Vibraphon/Xylophon/Trompete), Michael Ottomar Müller (Bass), Markus Paßlick (Percussion) und Rudi Marhold (Schlagzeug) sind nicht das schmückende Beiwerk für einen Künstler, der sich im Rampenlicht sonnt. Sie sind ein Erlebnis, jeder für sich, und erst recht im Ensemble: fünf Profis, die eine so unfassbare Klangfülle erzeugen, dass die Experten ins Staunen geraten.

Jazz-Schlager nennt Götz Alsmann die Musik in seinem Programm „Engel oder Teufel“. Meistens singt er über die Liebe, über große und kleine Gefühle, manchmal verschmitzt, manchmal voller Selbstironie und vor allem so herrlich altmodisch, wie sich das außer dem Paradiesvogel mit der lustigen Frisur kaum jemand traut.
Er singt von der Liebespolizei, huldigt deutschen Frauennamen wie Gertrud und Hubertine und „den drei Freunden“, wie er sie nennt: Rhythmus, Text und Melodie. Sie verschmelzen in den raffinierten Arrangements, die durchsetzt sind von musikalischen Pointen, zu Hörerlebnissen erster Güte.

Ein zweiter Spaßvogel

Fast so unterhaltsam wie die Musik sind die Ansagen zwischen den Titeln. Das komödiantische Talent des Münsteraners ist bekannt. Aber die Band hat noch einen zweiten Spaßvogel, der Götz Alsmann in nichts nachsteht. Der Percussionist Markus Paßlick präsentiert auf wunderbar komische Weise ein Sammelsurium an exotischen Instrumenten, mit denen er alles erdenkliche Federvieh von der Wasserralle bis zur Stockente auf so unnachahmliche Weise nachahmt, dass sich manch einer im Publikum vor Lachen krümmt.

Nach zweieinhalb Stunden und mehreren Zugaben – zuletzt spielt der Meister mit der Tolle „Bon Soir“ auf der Ukulele – geht der unterhaltsame Abend zu Ende. Die Musiker verbeugen sich und nehmen freudestrahlend den verdienten Applaus entgegen.

Text: Jens Milde (NWZ)

Diese News wurde am 12.05.2010 um 09:00 Uhr von Redaktion veröffentlicht.
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