
Brake - „Ich lege mein Schweigen auf deine Lippen. Du gibst es wortlos meinem Mund zurück.“ Schwer wie eine aschgraue Gewitterwolke hängen die Zeilen aus einem Gedicht von Rose Ausländer im Halbdunkel des Central-Theater. Dazu passt die Musik, die auch auf einem der schrägeren Alben von Nick Cave oder gar Tom Waits nicht deplatziert wirken würde.
Mit dem Unterschied, dass diese nicht mit so glockenklaren Stimme singen würde wie Schné. Die vollführt schon im nächsten Moment eine 180-Grad-Drehung, erzählt frech vom „Pirate Boy“, der als Frau verkleidet aufs Schiff kommt, um den Kapitän zu verführen und auf diese Weise das Kommando zu übernehmen. Und so folgt auf Gewitterwolken der pure Sonnenschein.
Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist jedoch Schné. Sie leidet, wenn sie in dem Stück „Mond und Astronaut“ von einer gescheiterten Beziehung singt, blüht mit dem gesamten Körper auf, wenn sie sich an die schönen Momente dieser Beziehung erinnert. Sie knurrt und quiekt bei einem vertonten Gedicht von Brecht, während die Geige eine süße Melodie spielt. Wenn Schné einen Schmetterling besingt, verwandelt sie sich wie dieser, wird vom schüchternen Mädchen zu einem vor Leidenschaft brodelnden Vulkan, der einem den Atem raubt. Doch Vorsicht: „Ich bin das Wollen, das nie Erreichen. Ich hinterlasse selige Leichen“, singt Schné. Eine Warnung. Man würde sie glatt in den Wind schlagen.
Text: Detlef Glückselig (NWZ)

















