
Cloppenburg. Urlaubsstimmung hatte James Blunt den Fans für seine Open-Air-Konzerte versprochen. Nun war es endlich soweit. Zumindest die Rahmenbedingungen stimmten beim längst nicht ausverkauften Auftritt des Popsängers auf dem Cloppenburger Marktplatz.
Die Abendsonne warf ein warmes Licht auf den sandigen Platz; so etwas wie Strandatmosphäre machte sich breit und versetzte die Zuschauer in Sommerlaune.
Nur einer wirkte reichlich verkrampft: der Künstler selbst. Der ganze Körper zum Bersten angespannt, startete Blunt eher mit eckigen als lockeren Bewegungen ins Konzert. Seine Lieder quetschte er sichtlich aus sich heraus – so stark, dass man um den Kragen seines engen T-Shirts fürchten musste, der sich um den Hals spannte.
Während das Publikum lässig mitklatschte, merkte man dem Sänger seine Welttournee an, die ihm offenbar noch in den Knochen steckte. Doch seine Fans nahmen es nicht krumm. Schon allein seine eingestreuten Deutschkenntnisse riefen Wohlwollen beim Publikum hervor, das sich größtenteils aus Müttern und Töchtern sowie Paaren mittleren Alters zusammensetzte. Drei Sätze, so Blunt, seien ihm geläufig: „Danke, danke schön und vielen Dank.“
Die darauf folgende Ansage machte er dann aber lieber auf Englisch: „Ihr seid alle am Lächeln, aber ich habe eine Menge depressiver Lieder.“ Denn natürlich durften sie nicht fehlen, seine meistgespielten Hits wie „You’re Beautiful“, „Carry You Home“ oder „Goodbye My Lover“.
Dabei brachte Blunt für einen Live-Auftritt erstaunlich wenig Variationen in seine Stücke. Selbst seine sommerlich gestimmten Lieder wie „Stay The Night“, „1973“, „Superstar“, „So Far Gone“ oder „These Are The Words“ sang er so nah an den Originalversionen seiner Alben, dass sie zum Teil wie eine Radio-Endlosschleife vorbeirauschten – was jedoch dem ausgelassenen Publikum das Mitsingen jeder Zeile erleichterte.
Vielleicht war es die ungebrochene Urlaubsstimmung des Ferienanfangs, die dann doch noch von den Zuschauern auf den Künstler übersprang. Nach der Hälfte des Konzerts, als sich die Abendsonne bereits glutrot dem Horizont näherte, taute auch Blunt auf – und überraschte mit Liedern, die ganz anders klangen als die massentauglichen Hits aus dem Radio.
Sein eben noch angespannter Körper bewegte sich bei „I’ll Take Everything“ im Takt, während er sich am Klavier abarbeitete. Aus seiner zarten Stimme
holte er bei der Rock-Nummer „Turn Me On“ so viel Energie heraus, dass sie an Marius Müller-Westernhagens „Sexy“ erinnerte. Schließlich ließ er sich auf Händen über das Publikum tragen, und zum Schlusstakt sprang er aufs Klavier.
Doch insgesamt war das Konzert ein eher solider Auftritt ohne große Überraschungen. Nach passgenauen 90 Minuten inklusive drei Zugaben war schon alles vorbei. Die Fans verabschiedeten sich mit johlendem Applaus, James Blunt mit einer Verbeugung. Danke, danke schön und vielen Dank.
Text: Annika Richter
















