Dresden - Die Atomkatastrophe in Japan stellt nach Ansicht des Physikers Professor Wolfgang Sandner vorerst keine Gefahr für die Menschen in Deutschland dar. „In diesem Umfang, wie es jetzt ist, ist es eher ein regionales Phänomen“, sagte der Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Dresden. „Interkontinental ist es nicht vorstellbar, dass da viel passiert.“
Sandner stützt seine Aussagen auf Fakten, die die Experten der DPG in der Zwischenzeit zusammengetragen haben. Die Gesellschaft hat sich in dieser Woche in Dresden mit rund 7000 Teilnehmern zu ihrer Jahrestagung versammelt.
Generell auszuschließen sei eine Gefahr zwar nicht, betonte Sandner. Sorgen müssten sich die Deutschen aber nur unter zwei Bedingungen machen: „Nämlich erstens, dass größere Mengen radioaktiven Inventars tatsächlich in die Atmossphäre entlassen werden, und zweitens, dass die dann auch in so hohe Luftschichten gelangen, dass sie mit dem Jetstream interkontinentale Distanzen überbrücken können“, erklärte Sandner. Für beides gebe es bislang keinen Hinweis. „Wenn es zu einer dramatischen Veränderung der Situation kommt, muss man das neu bewerten.“
Vergleiche zur Reaktorkatastrophe 1986 in Tschernobyl seien kaum möglich, sagte der DPG-Präsident. „Wenn man die Situation nimmt, wie sie jetzt ist, ist sie in keiner Weise vergleichbar mit Tschernobyl.“ Zwei der drei betroffenen Reaktorblöcke im japanischen Kraftwerk Fukushima seien offenbar in einem halbwegs stabilen Zustand.
Im dritten sei es beim Versuch, Druck abzubauen, zu einer Explosion gekommen - wie bei den anderen zuvor auch schon. „Das war teilweise sicher ein kalkuliertes Risiko, um größeren Schaden zu vermeiden“, sagte Sandner. Mögliche schädliche Nebenwirkungen müssten jetzt untersucht werden. Die im Innern entstehende Wärme müsse nun fortwährend abgeführt werden - „koste es, was es wolle“.
Vorwürfe an die Japaner halte er momentan für unangebracht, sagte Sandner. „Da ist die Zeit völlig falsch.“ Das Kraftwerk habe ein Beben oberhalb der Bemessungsgrenze zunächst überstanden, bevor dann der Tsunami die benötigte Infrastruktur zerstört habe. „Inwieweit man daraus einen Vorwurf konstruieren will, muss man sehr genau analysieren, wenn das Ganze erstmal stabil vorbei ist.“
Text: DPA









