Suchmaschinen

Immer bessere Alternativen zu Google

Hamburg/Hannover - Googeln hat es bis in den Duden geschafft. Kein Wunder, dass viele das Angebot aus dem kalifornischen Mountain View quasi als amtliche Internet-Suchmaschine betrachten und nutzen. Wegen seiner unzähligen Zusatzdienste vom Mail-Programm bis hin zu Online-Karten hat sich Google aber auch den Ruf eines „Datenkraken“ erworben. Das kann ein Grund sein für Nutzer, sich nicht allein dem Marktführer zu verschreiben, sondern auch den Suchmaschinen der Konkurrenz eine Chance zu geben.

So propagiert es der Verein für freien Wissenszugang (Suma-eV) aus Hannover. Es sei wichtig, „mehrere, unabhängig voneinander arbeitende Suchmaschinen einzusetzen, um einen möglichst neutralen und umfassenden Überblick geeigneter Quellen zu erhalten“, steht in einem Thesenpapier des Vereins. Vor dem Quasi-Monopol von Google warnt unter anderem der prominente Schirmherr des Vereins, MP3-Erfinder Prof. Karlheinz Brandenburg. Bei einem Quasi-Monopol wie es Google innehat, bestehe „auf Dauer die Gefahr, dass die Ergebnisse der Informationssuche von Einflüssen nicht allgemein erkennbarer Mechanismen der Betreiber geleitet werden.“

Laut dem Internet-Statistikdienst Hitslink liefen in diesem Jahr bisher 86 Prozent aller Suchanfragen weltweit über Google. Platz zwei belegt weit abgeschlagen Yahoo mit knapp sechs Prozent.

Microsofts Suche Bing belegt – nach noch nicht einmal einem Jahr – mit gut drei Prozent bereits den dritten Rang. Vergleichsweise stark genutzt wird auch die globale Suche von Ask.

Eine weitere Alternative bietet die besonders datenschutzfreundliche Suchmaschine Ixquick. Diese speichert die IP-Adressen ihrer Besucher nicht und garantiert damit Privatsphäre und Anonymität im Netz.

Hindernisse türmen sich vor wechselfreudigen Surfern jedenfalls nicht auf – und Probieren kostet nichts. Jeder beliebige Suchdienst lässt sich bei Browsern wie Firefox oder Internet Explorer mühelos in die Suchleisten einbinden oder als Startseite festlegen.

Wer den Google-Konkurrenten erst einmal im Blindtest auf den Zahl fühlen will, kann das unter blindsearch.fejus.com tun. Die Suchergebnisse werden im gleichen Design nebeneinander dargestellt. Erst wenn der Nutzer sein Votum abgegeben hat, in welcher Spalte die seiner Meinung nach besten Ergebnisse stehen, lüftet die Seite das Geheimnis und zeigt die Logos von Bing, Yahoo und Google an. Der Verein Suma zieht das Fazit, dass „The Big Three“ qualitativ gleichwertig seien.

Auch am Tempo gibt es bei den großen Suchmaschinen nichts zu bemängeln. Alle spucken ihre Ergebnisse zügig aus. Auf die Booleschen Operatoren („AND“, „OR“ etc.), die Suchbegriffe logisch verknüpfen, verstehen sich die meisten Suchmaschinen. Yahoo bietet zusätzlich die Suche mit hausgemachten Abkürzungen an: Mit „!flickr“ plus Suchbegriff gelangt man direkt zu den Ergebnissen der beliebten Foto-Community. „!leo“ plus Suchbegriff übersetzt deutsche Wörter ins Englische. Shortcuts für die fixe Suche nach Aktienkursen, Call-by-Call-Vorwahlen, dem Wetter oder eine Taschenrechnerfunktion finden sich unter http://de.search.yahoo.com/info/shortcuts.

Vergleichbar ist das Funktionsangebot von Google, das unter www.google.com/intl/de/help/features.html aufgelistet ist. Das Unternehmen bietet auch die Volltextsuche in Büchern, eine Suche in wissenschaftlichen Veröffentlichungen oder die Recherche nach öffentlich verfügbarem Programmiercode an.

Bei den großen Maschinen lassen sich in der erweiterten Suche auch Parameter wie Sprachraum, Region, Dateityp, Position des Suchbegriffs auf der Seite, Zeitraum der letzten Aktualisierung und Nutzungsrechte einbeziehen. Ganz so weit ist die deutsche Suche von Ask, die sich noch im Betastudium befindet, noch nicht (http://de.ask.com).

Praktisch ist aber die Voransicht der Seiten in einem Pop-up-Fenster beim Mouseover über das Fernglas-Symbol vor den Suchbegriffen. Die globale Ask-Suche (www.ask.com) ist schon weiter und zeigt wie Google direkt auch Bilder zu den relevantesten Foto- und Video-Suchergebnissen an.

Unzählige kleinere und Spezial-Suchmaschinen bieten Einblicke in Ecken des Netzes, zu denen man mit den Großen eher nicht gelangt wäre. Nach wie vor gibt es auch Verzeichnisdienste, die Seiten in genau beschriebenen Kategorien auflisten. Dazu gehört www.dmoz.org.

Um mehrere Maschinen und Verzeichnisdienste gleichzeitig abzufragen, empfehlen sich Metasuchmaschinen. Eine der bekanntesten ist MetaGer, ein Projekt der Universität Hannover.

Eine weitere interessante Metasuchmaschine, deren Ergebnisse aber auf Nordamerika zugeschnitten sind, ist www.clusty.com. Wie der Name andeutet, bündelt sie die Suchergebnisse zu logischen Clustern. Auch praktisch: Beim Klick auf die Lupensymbole hinter den Suchergebnissen öffnen sich beliebig viele Vorschauen direkt in der Webseite.

Ob das Googeln ohne Google irgendwann nichts besonderes mehr ist, hängt maßgeblich von den Surfern ab - davon ist man beim Verein für freien Wissenszugang überzeugt: Änderungen seien „weniger durch neue Technologien, sondern vor allen Dingen durch verändertes Nutzerverhalten aufgrund steigender Informationskompetenz zu erwarten.“

Text: Dirk Averesch (NWZ)

Diese News wurde am 20.04.2010 um 09:48 Uhr von Redaktion veröffentlicht.
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