Taktik mit Spektakel

Tom Clancy's Ghost Recon: Future Soldier

Ubisoft beordert sein "Ghost Recon"-Sonderkommando nach fast sechs Jahren Pause wieder zurück an die Spielefront. "Future Soldier" heißt der neue PC-, PS3- und Xbox-360-Ableger der populären Militärshooter-Reihe, die aufgrund ihres hohen Taktikanteils bislang eine willkommene Alternative zu den tumben Schießbuden "Call of Duty", "Battlefield" und "Medal of Honor" darstellte. Doch weil die Krawallbrüder kommerziell regelmäßig kräftig abräumen, dreht Ubisoft nun an der Action-Schraube - bewahrt sich aber noch ein paar Eigenheiten, um nicht wie eine Kopie zu wirken.

Um die Neuausrichtung der Reihe zu verdeutlichen, wird das alte "Ghost"-Team bereits in den ersten Minuten Opfer eines Bombenanschlags in Zentralamerika. Dass hinter dem Attentat weit mehr steckt und die Sicherheit der Welt auf dem Spiel steht, ist angesichts des prominenten US-Autoren-Paten Tom Clancy klar und gehört im von Klischees dominierten Genre fast schon zum guten Ton. Für weniger greift man nicht mehr zu den Waffen.

Als Teil eines neu formierten "Ghost"-Teams geht's in einem temporeichen Katz- und Mausspiel fortan an die unterschiedlichsten Brennpunkte: Ein sambisches Flüchtlingslager steht ebenso auf dem Anti-Terror-Reiseprogramm wie ein Ausflug in arktische Gefilde, eine Stippvisite an Bord eines Ölbohrschiffs oder die verwinkelten Straßenzüge Moskaus.

Während der zwölf umfangreichen Missionen schwankt "Future Soldier" zwischen den Extremen: Mal setzt der Titel auf temporeiche und effektvolle Action-Sequenzen, in denen man sich hinter das Geschütz eines Hubschraubers oder Jeeps klemmt, mit herbeigerufenen Luftschlägen ganze Feindverbände ausschaltet, einem übermächtigen Kampfroboter Ziele zuweist oder Räume voller Geiseln in Zeitlupe stürmt. Mal wandelt es auf den Spuren der Vorgänger, lässt den Spieler nachts durchs Unterholz schleichen und von Deckung zu Deckung hechten - und bestraft auffälliges Verhalten mit einem sofortigen Neustart der Mission am letzten Speicherpunkt.

In den deutlich taktischeren Leisetreter-Abschnitten kommen vermehrt jene technischen Utensilien zum Einsatz, die dem Soldaten der Zukunft das Leben leichter machen sollen - allen voran die Aktiv-Tarnung, die die Ghosts nahezu mit ihrer Umwelt verschmelzen lässt. Aber auch Wärmebildkameras, Sensor-Granaten und kleine Schwebedrohnen sind ideal, um Position und Bewaffnung von Feinden zu bestimmen oder Ziele für die drei Kameraden zu markieren.

Deren Steuerung übernimmt entweder der Freundeskreis oder die Künstliche Intelligenz. Der Computer macht seine Arbeit ausgesprochen gut - fast schon zu gut. Die direkten Befehle aus dem Vorgänger sind überflüssig geworden. Die Gefährten agieren weitestgehend autonom, suchen selbstständig Deckung, rücken vor oder nehmen Position ein, um bei einem sogenannten Simulatanabschuss bis zu vier Gegner gleichzeitig auszuschalten. Das mag komfortabel sein, mindert aber auch den Anspruch: Wer es drauf anlegt, muss nur selten den Abzug betätigen - und kann trotzdem so manche Mission bestehen. Umgekehrt darf man sich auch die Hände so richtig schmutzig machen, auf taktische Vorgaben pfeiffen und schon beim Missionsbriefing eine offensivere Ausrüstung wählen - und diese sogar manuell bis ins kleinste Detail anpassen.

Alles in allem präsentiert sich "Future Soldier" nicht zuletzt dank gelungener Tempowechsel als äußerst homogene Mischung aus Taktik und fulminanter Action - getrimmt für den Einsatz auf dem Massenmarkt. Technisch kann Ubisofts neuer Shooter-Rekrut aufgrund einiger Texturschwächen der namhaften Konkurrenz nicht ganz das Wasser reichen, ist dafür spielerisch aber deutlich abwechslungsreicher und enthält neben dem anspruchsvolleren Koop-Modus noch ein paar andere Mehrspielervarianten, die Stunden lang beschäftigen. Neben einer tollen Auswahl an Versus-Modi, in denen zwei Teams mit jeweils sechs Spielern gegeneinander antreten, wartet noch die "Guerilla"-Herausforderung. Hier stellt man sich zu viert 50 immer stärker werdenden Gegnerwellen, verteidigt und erobert Basen unter Zeitdruck und bekommt alle zehn Runden einen Bossgegner vorgesetzt.

Details

  • Genre:
  • Erhältlich ab: 24.05.2012
  • Hersteller: Ubisoft
  • Vertrieb: Ubisoft
  • FSK: ab 18 Jahren
  • Multiplayer: 2-12 (WWW)
  • Schwierigkeit: Für Fortgeschrittene
  • Preis: Ca. 70 Euro

Bewertung

Grafik: gut
 
Sound: sehr gut
 
Steuerung: gut
 
Spaß: gut
 
Gesamt: gut
 

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Diese News wurde am 01.06.2012 um 18:05 Uhr von Redaktion veröffentlicht.
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