
Rom - Der Kapitän der „Costa Concordia“ gerät immer mehr unter Druck: Die Verantwortung für den Schiffbruch liege „mit Sicherheit“ bei Francesco Schettino, sagte der Generalkommandant des zuständigen Hafenamtes, Admiral Marco Brusco, am Donnerstag in einer Anhörung des Senats in Rom. Bei einem rechtzeitigen Alarm hätte es wahrscheinlich keine Toten gegeben. Schettino habe bei der Havarie vor zwei Wochen eine „kostbare Stunde“ für die Rettung der etwa 4200 Passagiere und Crewmitglieder verstreichen lassen.
Auch die Costa-Reederei widersprach Schettino, der gesagt hatte, ein Manager habe die Unglücks-Route nahe der Insel Giglio verlangt. „Dieses Manöver war nicht autorisiert. Wir waren darüber nicht informiert“, erklärte Costa-Chef Pierluigi Foschi im Senat. Schettino habe das allein entschieden. Der Costa-Manager Roberto Ferrarini gab an, der Kapitän habe ihn gebeten, eine gemeinsame Version für den Ablauf der Ereignisse den Behörden gegenüber abzustimmen. Das habe er abgelehnt. Schettino habe angeben wollen, dass das Schiff nach einem Stromausfall auf Grund gelaufen sei, erklärte Ferrarini.
Die Ermittlungsrichterin legte in dem Beweissicherungsverfahren eine erste Anhörung auf den 3. März. Vermutlich ist Schettino dabei.
An dem Wrack ging die Suche nach den Vermissten am Donnerstag weiter. 16 Tote sind bereits geborgen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes von Donnerstag sind vier deutsche Opfer identifiziert. Sie stammen aus Hessen, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Berlin. Acht Bundesbürger werden vermisst.
Auf Giglio laufen die Vorarbeiten für das Abpumpen des Öls aus der „Costa Concordia“ auf Hochtouren. Die Bergung des Schweröls kann voraussichtlich nicht vor diesem Sonnabend beginnen. Danach dürfte es rund vier Wochen dauern, bis die etwa 2300 Tonnen Treibstoff entsorgt sind.
Text: Hanns-Jochen Kaffsack (NWZ)









