Interview

Ziel: „Hören für Alle“ überall

Die breite Thematik zeichne das Projekt „Hearing4all“ aus. Das sagt Sprecher Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier von der Uni Oldenburg.

Frage:„Hören für alle“ lautet der Titel des Exzellenzcluster-Projekts. Wie wollen Sie dieses hochgesteckte Ziel erreichen?

Kollmeier:Mit einem breiten Ansatz rund um die Hörforschung. Wir wollen sowohl Grundlagenforschung betreiben und an technischen Lösungen zur Hörverbesserung arbeiten, als auch die klinische und angewandte Forschung vorantreiben. Schließlich sollen Lösungen für alle Menschen, vom fast normal hörenden bis zum ertaubten, gefunden werden.

Frage:Wie können leicht Schwerhörige unterstützt werden?

Kollmeier:Diesen Menschen kann zum Beispiel durch eine Hörunterstützung im Fernseher, Laptop oder Smartphone geholfen werden. Das gilt vor allem für ältere Menschen, bei denen die Hörfähigkeit nachlässt, die aber noch nicht bereit sind, ein Hörgerät zu tragen. Warten sie damit zu lange, entwöhnen sie sich vom Hören und kommen mit der lauten, schrillen Umgebung nicht mehr zurecht, wenn sie sich schließlich doch für ein Hörgerät entscheiden. Dieser Entwöhnung können Hörunterstützungen in elektronischen Geräten entgegenwirken.

Frage:Und welche Möglichkeiten gibt es bei Taubheit?

Kollmeier:Hier können zum Beispiel Cochlea- und Gehirnimplantate helfen. Auf diesem Gebiet sind die Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule und der Universität Hannover, die auch an dem Antrag beteiligt sind, sehr aktiv.

Frage:Welche Forschungseinrichtungen sind noch an dem Exzellenzcluster-Antrag beteiligt?

Kollmeier:Die Jade Hochschule, das Kompetenzzentrum HörTech, die Fraunhofer Projektgruppe für Hör-, Sprach- und Audiotechnologie und die Hörzentren in Oldenburg und Hannover. Insgesamt sind es 25 Hauptantragsteller und mehr als 150 Wissenschaftler.

Frage:Bei der Exzellenzinitiative vor fünf Jahren hat Ihr Antrag die Endrunde auch schon erreicht, wurde aber letztendlich nicht ausgewählt. Was hat sich seitdem verändert?

Kollmeier:Das niedersächsische Wissenschaftsministerium hat uns seitdem erheblich gefördert. So konnten neun neue Professuren geschaffen werden, die inzwischen die Arbeit aufgenommen haben, so dass wir jetzt wesentlich besser aufgestellt sind.

Frage:Was soll mit den Mitteln aus der Exzellenzinitiative erreicht werden?

Kollmeier:Die Hörforschung im Nordwesten soll international zu einer der ersten Adressen werden. Das Anliegen des Wettbewerbs ist es, starke Bereiche so zu fördern, dass sie international sichtbar werden und mit den Top-Universitäten etwa in den USA konkurrieren können.

Frage:Was zeichnet das Projekt „Hearing 4all“ aus?

Kollmeier:Die breite Thematik, an der Physiker, Mediziner, Biologen, Ingenieurwissenschaftler, Psychologen und eine Linguistin zusammen arbeiten. Das hat den Vorteil, dass beispielsweise ein Mediziner die Bedürfnisse des Patienten für den Techniker übersetzt, der wiederum das entsprechende Hörgerät entwickelt. Oder wenn Biologen dieselben Hörexperimente mit Menschen oder Wüstenrennmäusen durchführen, können Physiker deren Ergebnisse mit denen von Computermodellen vergleichen, so dass die Software von Hörgeräten und Hörunterstützungen in elektronischen Geräten verbessert werden kann. In diesem Bereich wird in Oldenburg intensiv gearbeitet. Aber auch die Psychologen und Psychoakustiker sind sehr wichtig, denn Hören passiert im Kopf und nicht nur mit der Ohrmuschel. Wir müssen wissen, wie viel Informationen das Gehirn eines Patienten verarbeiten kann, um diese mit Hilfe des Hörgeräts mehr oder weniger stark zu bearbeiten, bevor sie auf das geschädigte Ohr treffen.

Text: Heidi Scharvogel

Diese News wurde am 07.12.2011 um 18:43 Uhr von Redaktion veröffentlicht.
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