Titus Dittmann

Der etwas andere Lobbyist

09.07.2010

„Ich wollte eigentlich nie Geschäftsmann werden.“ Wenn man den Mann ansieht, der diesen Satz sagt, glaubt man ihm. Wenn man aber weiß, wer er ist und welches Label, welch große Marke er vertritt, dann kann man es nicht glauben. Die Rede ist von Titus Dittmann.

Genau, der Titus – Skateboard-Pionier, Unternehmer, Extremsportler und Konzernchef der Marke Titus. Und wer auch nur annähernd etwas mit Skaten zu tun hat, kommt um den Namen Titus nicht herum.

Die Marke Titus – sein Name – ist europäischer Marktführer für alle Arten von Skateboard-Utensilien. Ob es nun Boards, Zubehör oder auch Klamotten sind, ganz egal, bei Titus bekommen die Kids alles, was das Skaterherz höher schlagen lässt. Auch BMX-Räder und Zubehör hat Titus in seinem Sortiment.

Quasi alles, was man braucht, um mit dem Skateboard zu fahren, bekommt der Rollbrettfahrer bei der Münsteraner Firma. Dabei werden große Summen bewegt, wie Titus bei einem Vortrag Mitte Juni in Oldenburg erzählt. Und damit kommt dann doch der Geschäftsmann zum Vorschein.

1968 hat Titus sein Abitur gemacht. „Wenn man ’68 Abitur gemacht hat, ist man ja versaut fürs Leben“, grinst er. Und das Grinsen unter der Mütze kommt ehrlich rüber. Titus Dittmann sieht aus wie einer, der gerade eben in einen seiner Shops gegangen ist, um sich diverses Zeug zum Skaten zu kaufen – Sneakers, locker sitzende Jeans, T-Shirt und eine Mütze auf dem Kopf. In diesem Schlabberlook macht er sich daran, seinen Vortrag über Marketing vor rund 100 Anzugträgern zu halten.

Die hören aufmerksam zu. Und wehe, Titus wird losgelassen! Er erzählt aus seinen Anfangstagen, wie er als beamteter Lehrer (Thema seiner Examensarbeit war das Skateboarding im Schulsportunterricht) seinen Schülern Skateboards aus den Staaten besorgte. Wie er seinen Job an den Nagel hing und die Marke Titus geboren wurde. Die Anzugträger staunen, lachen und fragen sich: Wie zur Hölle hat der das alles gemacht?

Als 2005 die Firma kurz vor dem Aus stand, war der Skater und Geschäftsmann Titus ganz unten. Am Boden also. Aber ein Skater steht immer wieder auf – so auch Titus. Er sanierte seine Firma, auch, indem er sein gesamtes privates Vermögen riskierte. Es wurden Gespräche mit Banken und Gläubigern geführt und dann hier ein paar Millionen hingeschichtet, dort ein paar Millionen eingespart. Das alles rattert Titus bei seinem Vortrag in fünf Minuten herunter, als wäre es nichts gewesen. Und die Anwesenden aus der Oldenburger Marketing- und Finanzwelt bekommen ihre Münder nicht mehr zu.





Der 61-Jährige redet munter drauflos, ob er nun über Erfolge oder Misserfolge spricht. Trotz allem ist er immer noch der Alte – ein Skater. „Ich sehe mich als selbsternannter Lobbyist der pubertierenden Jugendlichen.“ Ob er denn keine Angst habe, gegenüber seinen Kunden unglaubwürdig zu werden, mit den ganzen Preisen und Ehrungen aus der Geschäftswelt. „Ich komme aus der Szene, bin einer von ihnen. Zwischen dem Skaten und der Geschäftswelt gibt es bei mir keine Diskrepanz. Ich lasse mich ganz bewusst auszeichnen, denn so habe ich besseren Zugang zur politischen Ebene und kann dort besser etwas bewirken!“

Der Extremsportler zieht sein Ding durch. Ob in der Geschäftswelt oder als Privatmensch. Titus ist leidenschaftlicher Autofreak und Schrauber. Erst kürzlich fuhr er zusammen mit seinem Sohn Julius beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring mit. Mit einer giftgrünen, auf Grüngas umgebauten Viper verwirklichte er (wieder einmal) einen seiner Träume und sammelte, so ganz nebenbei, auch noch 5.000 Euro Spenden für seine Stiftung „skate-aid“.

Unter dem Dach der Titus Dittmann Stiftung werden bei „skate-aid“ Projekte unterstützt, die mittels Skateboarding weltweit humanitäre Hilfe für Kinder und Jugendliche leisten. Ob nun eine Skateanlage in Afghanistan gebaut wird oder ein Skatepark in Kapstadt/Südafrika – Titus verbindet immer wieder Hobby, Beruf und auch soziales Engagement.

Als Titus bei seinem Vortrag in Oldenburg den Trailer der Sendung „Titus TV“ (lief 2006 auf MTV) zeigt, stoppt er bei der Szene, in der ein Skater bei einem Trick böse Bekanntschaft mit dem Betonboden macht. „Das ist meine Lieblingsszene“, sagt Titus mit ernster Miene. Ungläubiges Stirnrunzeln bei den Zuhörern.

Aber dann begründet er es: „Was glauben Sie, was der Typ gleich macht? Richtig, er wird es ein zweites Mal probieren – und er wird sich wieder auf die Fresse packen. Aber auch dann wird er aufstehen und es so lange üben und probieren, bis es klappt. Und deswegen ist es meine Lieblingsszene. Wenn man auf die Fresse fällt, dann bleibt man nicht liegen, sondern steht wieder auf und macht weiter!“ Und das gilt für Titus Dittmann in jeder Lebenslage – ob als Geschäftsmann oder Privatmensch.

Diese News wurde am 09.07.2010 um 12:53 Uhr von Thorben Frohne veröffentlicht.
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