Abschlussjahr

Hochmotiviert ins Doppel-Abi

Oldenburg - Ein ganz normaler Schultag. Carolin Reimers und Lisa Henicz sitzen im Klassenzimmer und grübeln über ihre Aufgaben. In Gruppen sollen sie die Lösungen erarbeiten. Beide Schülerinnen der Cäcilienschule sind im gleichen Jahrgang. Trotzdem gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen den Mädchen. Während Lisa ihr Abitur nach 13 Jahren macht, schreibt Carolin schon nach zwölf Jahren ihre Prüfungen.
Grund ist das Doppel-Abitur. 20 000 zusätzliche Gymnasiasten werden im nächsten Jahr in Niedersachsen ihre Schule beenden. Dieser Unterschied bleibt selbstverständlich auch den Schülern nicht verborgen. Mehr als 200 Schüler, gegenüber rund 100 im Vorjahr, bilden an der Cäcilienschule den nächsten Abiturjahrgang. „Selbst nach einem Jahr kennt man nicht alle Namen der Mitschüler“, erklärt Carolin. „Dafür sind es einfach zu viele.“

Mit ihren 16 Jahren gehört die Schülerin zu den Jüngsten im Jahrgang. Einfach ist das nicht immer, weiß auch ihr 17-jähriger Mitschüler Steffen Arlick: „Zuerst war ich schon ein wenig angespannt, als ich das erste Mal in dem Kurs gemeinsam mit den Älteren saß. Aber ernste Probleme gab es deshalb nie.“

Mit dem Altersunterschied hatten auch die Lehrer der Oldenburger Gymnasien anfangs zu kämpfen. „Das ist eine einmalige Situation, die wir so noch nicht hatten“, erklärt Schulleiter Günter Tillmann vom Herbartgymnasium. Ansätze und Inhalte des Unterrichts mussten natürlich angepasst werden.

Viel wurde dafür schon im Vorfeld getan. Lehrer wurden geschult, Doppelstunden eingeführt, Schüler befragt. „Das Schöne ist, die Schüler haben sich ohne zu Zögern für einen gemeinsamen Unterricht des Jahrganges entschieden“, freut sich Tillmann über den großen Zusammenhalt. Auch in der Praxis funktionieren die gemischten Kurse gut, da sind sich Schüler und Lehrer einig.

„Oft sind die Lehrer sogar überrascht über die unterschiedlichen Antworten der jüngeren und älteren Schüler“, erklärt Charlotte Beelen vom Herbartgymnasium die Vorteile. Probleme, mit den älteren Schülern mitzuhalten, haben die jüngeren kaum: „Manchmal habe ich das Gefühl, die Elftklässler sind motivierter als die Zwölftklässler“, so der Eindruck von Elisabeth Blaser, die einen Englischkurs an der Cäcilienschule unterrichtet. „Die Schüler wollen es einfach schaffen.“

Bei soviel Motivation haben die Mädchen und Jungen keine Angst vor Problemen bei der Studienplatzsuche. „Viele gehen zunächst ins Ausland oder bemühen sich schon früh um eine Stelle“, bestätigt Wiebke Klingsporn die Gelassenheit der Schüler.
Größere Sorgen macht dem Jahrgang die Vorbereitung in den Komitees: Abiball, Abi­buch oder Entlassungsfeier. „Mit mehr als 800 erwarteten Gästen zu den Feiern bleibt als Veranstaltungsort nur die Weser-Ems-Halle“, erklärt Lisa Henicz die Schwierigkeiten. Denn nicht nur die Cäcilienschule muss im nächsten Jahr ungewöhnlich viele Feierlustige unterbringen. Doch wie schon der gemeinsame Unterricht zeigt: Mit einer guten Vorbereitung lässt sich vieles verwirklichen.

Text: Stephanie Bremer (NWZ)

Diese News wurde am 27.05.2010 um 10:33 Uhr von Redaktion veröffentlicht.
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