
Danny blieb die Spucke weg, als er seine Sandy sah - in schwarzen Lederklamotten, rauchend und selbstsicher. Das brave Mädchen hatte seine wilde Seite entdeckt. 34 Jahre, nachdem sie sich so im Kultmusical "Grease" John Travolta angelte, verblüfft Olivia Newton-John das Publikum erneut mit einer 180-Grad-Drehung: Aus der spießigen Brautmutter, die die 63-Jährige in der Komödie "Die Trauzeugen" spielt, wird nach ein paar Gläsern Champagner und ein paar Nasen Kokain ein echtes Feierbiest. Ihr Landsmann Stephan Elliott bestand darauf, dass die Blondine die Rolle übernimmt. Olivia Newton-John sei nämlich nicht nur unglaublich liebenswürdig, sondern könne auch richtig albern sein. Allerdings zeige sie diese Seite selten, sagte der Australier in einem Interview. Im Gespräch mit der Schauspielerin dämmert bald, was er damit meint.
In Florida nimmt Olivia Newton-John den Hörer ab, wo sie seit einigen Jahren mit ihrem Ehemann lebt, einem Unternehmer, der mit Naturpäperaten sein Geld verdient. Es ist die zweite Ehe für die Australierin - mit dem Thema Hochzeit, um das sich ihr aktueller Film "Die Trauzeugen" dreht, kennt sie sich also aus: Ihre erste, bei der Olivia Newton-John 1984 mit ihrem zehn Jahre jüngeren "Xanadu"-Costar Matt Lattanzi vor den Altar trat, war "die Märchenhochzeit, von der wohl alle Mädchen träumen." Elf Jahre hielt die Ehe, aus der 1986 Tochter Chloe Rose Lattanzi hervorging. Die ist mittlerweile Sängerin und Schauspielerin, wie ihre Mutter.
Ihre zweite Hochzeit, erinnert sich Olivia Newton-John, hätte sich von der ersten kaum deutlicher unterscheiden können: "Sie fand in den Bergen von Peru statt. Anwesend waren neben meinem Bräutigam und mir nur ein Schamane, ein Musiker und ein Freund, der die Fotos machte." Beide Feiern seien wunderschön gewesen, jede auf ihre eigene Art: "Aber die zweite war entspannter, weil ich mich nicht um andere kümmern musste."
Fragen beantwortet Olivia Newton-John freundlich und professionell, aber nicht gerade ausufernd. Es sei denn, es geht um die Hilfsprojekte, für die sie sich engagiert. Schon zu "Grease"-Zeiten setzte sich die Schwulenikone für den Naturschutz ein, später rückten zudem Gesundheitsthemen in ihren Fokus - nicht zuletzt, weil die vierfache Grammy-Gewinnerin Anfang der 90-er selbst an Brustkrebs erkrankte. Darum rührt Olivia Newton-John derzeit nicht nur für ihren neuen Film die Werbetrommel, sondern auch für ihr Kochbuch mit "Rezepten für einen gesundes, glückliches, ausgeglichenes Leben". Die Einnahmen fließen in das "Olivia Newton-John Cancer and Wellness Centre", das in ihrer Heimatstadt Melbourne entsteht.
Eine ganze Menge hängt also an dem berühmten Namen, was die Vorsicht seiner Trägerin bei Interviews erklären könnte. Der Shootingstar der 70er-Jahre äußert seine Meinung, wenn sie gefragt ist, schiebt aber gern abschwächende Phrasen wie "Das muss jeder für sich selbst entscheiden" hinterher. Auf unangenehme Fragen reagiert Olivia Newton-John mit lautem Gelächter, während ihr Pressebetreuer um die nächste Frage bittet.
Zurück also zum Hochzeitthema: Wie sie reagieren würde, wenn ihre Tochter aus dem Urlaub einen zukünfigten Schwiegersohn mitbrächte, so wie es ihre Filmtochter in "Die Trauzeugen" vormacht? "Jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen", meint die Schauspielerin. "Wenn sich meine Tochter in jemanden verliebt, würde ich ihn mit offenen Armen empfangen, egal, wie sie ihn kennengelernt hat." Selbst, wenn sie ihn vom Fleck weg heiraten wöllte? "Meine Tochter wäre nicht der Typ, der so eine Entscheidung überstürzt. Aber ich würde sie ermutigen, vielleicht noch ein wenig länger zu warten. Obwohl sowas natürlich sehr romantisch ist." Zur Diplomatin würde Olivia Newton-John sicherlich auch taugen.
















