
Bilanz ziehen nach 14 Jahren im Schauspielgeschäft? So manches Hollywood-Teenie-Portiönchen befindet weitaus weniger Lebenserfahrung für genug und tippt mit 16 fröhlich die eigenen Memoiren. Jasmin Schwiers verbuchte in solch zartem Alter bereits mehrere Hauptrollen und einen festen Serienplatz in "Ritas Welt" für sich. Doch von Nostalgie und Selbstbeweihräucherung keine Spur: "Ich bin sehr verwurzelt im Hier und Jetzt", beteuert die heute 28-Jährige, die lieber gespannt und offen auf das blickt, was da noch so kommen mag. Für den SAT.1-Film "Das zweite Wunder von Loch Ness" (Dienstag, 28.09., 20.15 Uhr) streifte sie Tanktop und Camouflage-Hose über und marschierte mit gezückter Waffe und einem harten Zug im Engelsgesicht durchs wilde Österreich.
Das fiese Teufelsweib zu spielen, die knallharte Femme fatale in Armee-Klamotten, das war für Jasmin Schwiers eigentlich keine Herausforderung. Und obwohl man dem Parade-Mädchen aus luftig-leichten Teeniekomödien wie "Schule" (2000) oder "Endlich Sex" (2003) nur ungern etwas Böses zutrauen möchte, muss man zugeben: Auch das hochmütige Biest steht ihr gut zu Gesicht. Es wäre sicher zu einfach, Jasmin Schwiers in ein perfides Engelchen-Teufelchen-Kontrastgefüge zu spannen. Denn mit einer solchen Rollen-Reduktion tut sich die Wahl-Kölnerin schwer: "Ich stecke in keiner Schublade - was gut ist. Dadurch bin ich so vielseitig einsetzbar."
Späht man hinter die Schwierschen Kulleraugen, dann sieht man durchaus Interessanteres als den vermeintlich rigiden Unschulds-Liebreiz. In "Nachts, wenn meine Kinder schlafen" (2008) spielte sie eine Prostituierte, im Kölner "Tatort: Klassentreffen" (2010) enttarnte sie Kommissar Max Ballauf als Mörderin, in der Kinoproduktion "Lauf um dein Leben" (2007) gab Schwiers die Frau eines Junkies und für den "König Drosselbart" (2008) eine Märchenprinzessin mit goldenem Lockenhaar und zickiger Zunge. Bei Jasmin Schwiers wird die Schauspielerei schon mal charmant zur "Spielwiese", auf der sie sich austoben kann: "Der Film ermöglicht mir Dinge, die ich sonst vielleicht niemals machen würde."
Dazu gehört eben auch ein langer Gewaltmarsch durch ausgetrocknete Flussbetten in der österreichischen Bergwelt. Für "Das zweite Wunder von Loch Ness" hing sie auch an einem hauchdünnen Seil in der Felswand. Stunts dreht Schwiers, ganz Profi, nämlich selbst. Auch wenn es im Juni zu schneien beginnt und sich ein bauschiger Schneefilm auf die schweren Waffen legt. Für andere ein Drama, für die 28-Jährige gehört auch das zum Beruf.
Erzwingen, und auch da ist Jasmin Schwiers gelassener Profi, kann sie in ihrem Metier sowieso nichts: "Es ist eine Form von Leben, mit der man sich irgendwie arrangieren muss. Weil man eben nie weiß, wie es weiter geht und weil jegliche Form von Sicherheit, von Planung und Verbindlichkeit eigentlich nicht stattfindet." Doch es schwingt ehrliche Begeisterung und ein wenig Romantik mit, wenn sie schließlich sagt: "Aber das ist der Preis, den man dafür zahlt, dass man ein wahnsinnig aufregendes Leben hat, dass man nie stagniert, und dass man immer neue Leute trifft. Doch diesen Preis zahle ich gerne."
An einen "Lindwurm namens Nessie" glaubt Jasmin Schwiers natürlich nicht. Durch und durch fantasievolles Mädchen sei sie trotzdem, wenn es um futuristische Welten im Science-Fiction-Film oder mutige Superhelden geht. Und doch bleibt bei so viel Vorstellungsvermögen Zeit für das Wesentliche: "Was man selber in die Welt hineinträgt, kommt auch irgendwie zu einem zurück." - Wenn es danach ginge, dann hat Jasmin Schwiers erst einmal alles richtig gemacht. Und sonst hätte sie es eben anders gemacht und vielleicht Medizin studiert, "auch wenn das vielleicht auch nur eine verklärte Mädchenfantasie ist", fügt sie noch lachend hinzu.
Eine Ärztin will sie aber nicht spielen, auch wenn die noch im schillernden Rollen-Repertoire fehlen würde - "Lieber was Historisches, mit pompösem Kostüm." Neben der Schauspielerei arbeitet Schwiers immer noch ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen und engagiert sich noch als Botschafterin für den deutschen Kinderhospizverein - "fürs gute Karma sozusagen," lacht sie neckisch. Den Vorzeige-Gutmenschen kehrt sie nicht nach außen. Das klappt auch so ganz gut. Momentan dreht Schwiers in München gemeinsam mit Suzanne von Borsody, wieder eine Komödie - "da muss ich mir Mühe geben, dass ich nicht dagegen abstinke", kommt prompt der viel zu bescheidene Kommentar.
Denn egal, ob zart oder knallhart - auch mit 28 darf man ab und an noch ehrfürchtiges Mädchen sein. "Eigentlich muss ich immer auf Holz klopfen, weil es bei mir, seit ich diesen Beruf ausübe, super läuft. Das ist nicht selbstverständlich und ich weiß das sehr zu schätzen." Abgeklärt und abgehoben ist Jasmin Schwiers, trotz stolzer 14 Jahre Schauspielerfahrung, wirklich nicht. Und gerade das macht sie so sympathisch. Auch, dass sie lieber über ihre Filmprojekte spricht, als über ihr Privatleben. "Das Schöne an einem Geheimnis ist doch, dass man es eben nie genau wissen wird" - und auch damit hat sie irgendwie Recht!









