Frank Plasberg

Lust auf die Leichtigkeit

Heimatkunde im Ersten. Dreimal führt Frank Plasberg, wie schon im vergangenen Jahr, durch die Spielshow "Das Quiz der Deutschen". Prominente Gäste, darunter Günther Jauch, Johannes B. Kerner, Oliver Pocher und Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, treten in Teams gegeneinander an und spielen für einen guten Zweck. Es ist eine Reise durch alle Bundesländer, 20 Jahre nach der Wiedervereinigung. Frank Plasberg (53), der unlängst durch die 100. Ausgabe seines Polit-Talks "Hart aber fair" im Ersten führte, ist dabei nicht mehr nur Moderator, sondern zieht inzwischen auch als Produzent hinter den Kulissen die Fäden.

teleschau: Kurz nach dem Mauerfall waren Sie in Berlin, trafen dort sogar Willy Brandt zu einem Interview. Wo waren Sie eigentlich am 3. Oktober 1990?

Frank Plasberg: Lassen Sie mich nachdenken: Am 3. Oktober 1990 war ich definitiv morgens auf der Toilette und dann unter der Dusche. Das weiß ich noch genau ...

teleschau: Keine sehr nachhaltige Erinnerung.

Plasberg: Ehrlich, ich erinnere mich nicht. Ihre Frage eignet sich ja auch wunderbar, um auf die Crux dieses Feiertags hinzuweisen. Der 3. Oktober wird der Kopf-Feiertag bleiben. Und der 9. November der Bauch-Feiertag.

teleschau: Wie weit ist dieses Land aus Ihrer Sicht wirklich wiedervereinigt?

Plasberg: Das wird jede Generation inzwischen anders beantworten. Bei mir in den Redaktionen, bei den jungen Kollegen, sehe ich da längst eine große Selbstverständlichkeit im Umgang damit. Ich weiß, dass manche aus der ehemaligen DDR kommen. Und wenn ich sie darauf anspreche, verdrehen sie nur noch die Augen. Sie haben ja nur ein paar Jahre ihrer Kindheit dort verbracht. In zwei Generationen wird sich diese Frage dann gar nicht mehr stellen. Wenn dann noch der Soli abgeschafft wird, dann verblasst auch die letzte Erinnerung: die auf der Lohnsteuerkarte.

teleschau: Hat sich der Umgang mit dem Land, vielleicht auch seit der WM 2006, tatsächlich nachhaltig verändert?

Plasberg: Wenn ich an die Generation meiner Eltern denke, da standen Begriffe wie "Volk", "Stolz", "Vaterland", "Hymne" und viele mehr unter erheblichen Vorbehalt. Daran wird sich bei dieser Generation auch nichts ändern. Aber für die Jungen ist das anders. Eine organische Entwicklung, denke ich. Worauf sich meines Erachtens nach auch die Lehrer in den Schulen werden einstellen müssen. Es sollte eben nicht mehr dieser Mehltau über bestimmten Begriffen liegen, die von den Schülern inzwischen ganz normal verwendet werden.

teleschau: "Das Quiz der Deutschen" versteht sich als unterhaltsame Quiz-Reise durch die Bundesländer. Kennen Sie das Brettspiel "Deutschlandreise"?

Plasberg: Ja, ich kenne es, aber gespielt habe ich es nicht. Ich habe mit meinen Kindern stattdessen auf langen Autofahrten "Länder und Hauptstädte"-Raten gespielt. Und wenn sie gut drauf waren, habe ich noch die Ministerpräsidenten abgefragt. So stellen Sie sich mich doch als Vater vor, oder? (lacht)

teleschau: Genau so ... wobei die Frage nach den Ministerpräsidenten momentan wirklich schwierig ist.

Plasberg: Absolut. Ersparen Sie mir das, bitte.

teleschau: Kann es nicht sein, dass gerade auch junge Deutsche viel mehr über manches Urlaubsland wissen als zum Beispiel über Mecklenburg-Vorpommern?

Plasberg: Mag sein. Ich denke, es wäre für uns alle mal empfehlenswert, sich einer Reisegruppe aus den USA anzuschließen und Deutschland in 14 Tagen ganz anders kennenzulernen. Aber diese Unkenntnis, was das Heimatland betrifft, ist in keinem Fall eine deutsche Eigenart. Fragen Sie mal einen Franzosen aus Bordeaux, ob er jemals in Boulogne-sur-Mer an der Nordküste war ...

teleschau: Viele legen Reisen im eigenen Land auch mit dem Flugzeug zurück. Der Blick auf die Landschaften entfällt.

Plasberg: Mit der Bahn lassen sich Länder tatsächlich wunderbar kennenlernen. Ich war in diesem Sommer mit meiner Tochter in Marokko. Wir waren mal sieben Stunden am Stück mit der Bahn unterwegs. Und ich habe es genossen.

teleschau: Weil Sie das Land auf besondere Weise entdeckt haben?

Plasberg: Und weil die Klimaanlage bestens funktionierte. Es handelte sich nämlich um alte, ausrangierte Wagen der Deutschen Bahn. Die hätte sie mal lieber behalten.

teleschau: Haben Sie einen Lieblingsplatz in Deutschland?

Plasberg: Das württembergische Allgäu, ich volontierte bei der "Schwäbischen Zeitung" in Leutkirch. 30 Kilometer bis zum Bodensee, 60 Kilometer bis zum Skilaufen, die Nähe zu Lindau, zu Konstanz. Und es gibt viele Orte dort, die eine prima Aussicht bieten. Ich liebe es, weit schauen zu können, weil ich gerne sehe, was auf mich zukommt. Wenn ich es mir also aussuchen könnte, dann würde ich dort wohnen. Wunderbar.

teleschau: In Ihrer Sendung ist mit Ilse Aigner, der Bundeslandwirtschaftsministerin, diesmal auch eine Politikerin zu Gast. Durchaus ungewöhnlich.

Plasberg: Natürlich haben Politiker die größere Angst, sich zu blamieren. Wobei bei uns ja kein Schulwissen abgefragt wird. Allerdings: Wenn plötzlich ein Politiker in der Show wäre, der sonst als öffentlichkeitsscheu gilt, würde ich schon genau hinschauen. Ob zum Beispiel gerade Wahlkampf ist. Bei Ilse Aigner ist das nicht der Fall. Aber wahrscheinlich ist es ohnehin so, dass Frauen das mutigere und tapferere Geschlecht sind.

teleschau: Woraus schließen Sie das?

Plasberg: Diese Gelassenheit, diese Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können - ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade Frauen in Führungspositionen dazu eher in der Lage sind.

teleschau: Sind Sie jemand, der über sich selbst lachen kann? Bei "Hart aber fair" tritt das eher seltener zutage.

Plasberg: Der Eindruck täuscht. Es ist ja auch nicht jeder Bestatter morbide veranlagt. Womöglich ist er sogar im Karnevalsverein. Das ist eben nur die eine Seite, die man in dieser Sendung von mir sieht. Glauben Sie mir, wenn ich über mich nicht lachen könnte, würde ich völlig verzweifeln.

teleschau: Stimmt gleichsam das Klischee, dass jeder Fernsehmoderator auch in besonderer Weise eitel ist?

Plasberg: Es ist eine Binse: Wenn jemand behauptet, er sei nicht eitel, und er macht trotzdem seit 20 Jahren Fernsehen, wundert mich das schon sehr. Der Drang danach, öffentlich wahrgenommen zu werden, hat in diesem Fall sicher viel mit der Berufswahl zu tun.

teleschau: Woher stammt bei Ihnen dieser Drang?

Plasberg: Ich führe das zurück auf die Schule: Ich war im Sport unglaublich schlecht und auch noch der Jüngste in der Klasse. Was bedeutet, dass man bei Mannschaftssportarten als Letzter gewählt wird. Und dass die Mädchen lachen, wenn man irgendein Seil nicht hochkommt. Also suchte ich mir eine Marktlücke, in der ich punkten konnte. Ich musste eben den Zungenmuskel trainieren. Und wenn Sie reden können, ist es zur Zeitung, wo ich angefangen habe, und zum Journalismus an sich nicht mehr weit.

teleschau: In Interviews werden Sie immer wieder gefragt, ob sich seriöser Polit-Journalismus und die Moderation von Unterhaltungsshows vertragen. Haben Sie diese Frage jemals von einem Zuschauer erhalten?

Plasberg: Nein. Der Zuschauer ist da deutlich entspannter. Aber ich weiß natürlich, dass Journalisten sich in sortierten Schubladen einfacher zurechtfinden. Ich nehme mich da selbst nicht aus.

teleschau: Inzwischen müsste sich jeder daran gewöhnt haben. Unterhaltungssendungen moderieren Sie schon seit 2008, unter anderem im Dritten Programm die Quizshow "Die klügsten Kinder des Nordens".

Plasberg: In der öffentlichen Wahrnehmung spielt "Hart aber fair" aber sicher die Hauptrolle. Was ja auch gut so ist. Dennoch: Es soll auch Chirurgen geben, die nebenbei mit Ersatzteilen für Motorräder handeln, weil es ihnen einfach Spaß macht. Und weil sie dann auch mal eine gewisse Leichtigkeit erleben. Es ist schön, einfach mal Fernsehen zu machen, ohne drei Tage lang Fakten zur Gesundheitsreform zu pauken.

teleschau: Seit 2005 besitzen Sie zusammen mit Ihrem Partner Jürgen Schulte eine eigene Produktionsfirma. Gemeinsam verantworten Sie inzwischen auch "Das fantastische Quiz des Menschen" und "Frag doch mal die Maus" (Sa., 25.09., 20.15 Uhr) mit Dr. Eckart von Hirschhausen sowie "Das Quiz der Deutschen". Eine zusätzliche Belastung für Sie?

Plasberg: Nicht unbedingt. Ich habe gelernt, auch mal loszulassen. Ich muss mich nicht mehr um jedes Detail kümmern ...

teleschau: ... sondern delegieren und vertrauen können.

Plasberg: Genau darin liegt das Geheimnis.

teleschau: Planen Sie einen Ausbau Ihrer Aktivitäten als Produzent?

Plasberg: Ach, man muss auch mal genießen können. Und das konnte ich in diesem Jahr. Ich hatte persönlich einen schönen Sommer. "Hart aber fair" stand auch mal auf Platz eins der politischen Talkshows, trotz des schwierigen Sendeplatzes am Mittwoch ohne den "Tatort" im Vorlauf. Immer höher, schneller, weiter? Ich weiß nicht. Es ist doch auch viel wert, mal das Bestehende zu halten.

teleschau: Derzeit läuft die Diskussion um eine Programmreform im Ersten, die "Tagesthemen" sollen eine einheitliche Sendezeit erhalten. Mit einer Vorverlegung von "Hart aber fair" auf 20.15 oder 21.00 Uhr könnten Sie sicher gut leben.

Plasberg: Nach den "Tagesthemen" um 22.45 Uhr kann ich mir "Hart aber fair" nicht vorstellen. Das steht fest. Den Rest überlasse ich anderen. Ich will mich da nicht einmischen. Es ist wie in der Nationalmannschaft. Der Trainer stellt auf, nicht die Spieler.

teleschau: Aber als Produzent und prominenter Moderator sind sie ja nicht mehr nur Spieler. Sie sind hart am Magath ...

Plasberg: (lacht) Ich glaube, da irren Sie. Ein Magath in der zweiten Liga vielleicht.

teleschau: Dennoch scheint es so, als hätten Sie in den letzten Jahren deutlich an Macht im Ersten gewonnen.

Plasberg: Nein. Das ist eine ganz gewöhnliche Beziehung von Auftragnehmer und Kunde. Marktwert? Ja! - Machtwert? Nein. Wir hatten schlicht die Aufgabe, für den Sender Schwieriges zu meistern. Und mit dem Mittwochssendeplatz für "Hart aber fair" taten wir das.

teleschau: Empfinden Sie Stolz?

Plasberg: Ja. Ich bin stolz auf diese Truppe, die im Kern seit Jahren fast unverändert ist und die Sendung nach vorne gebracht hat. Obwohl Struve (der ehemalige ARD-Programmdirektor Günter Struve, Anm. d. Red.) der Überzeugung war, auf dem Mittwochabend würden wir einstellig bleiben bei der Quote und uns so selbst erledigen. Nun geht es darum, alles auf Strecke zu bringen.

teleschau: Besteht die Gefahr, dass Sie bequem werden?

Plasberg: Ich bin 53 Jahre. Und ich weiß: Diese Gefahr bestand bei mir noch nie.

teleschau: Müssen Sie noch keine Zugeständnisse ans Alter machen?

Plasberg: Ach, die Rückenprobleme sind verschwunden, die hatte ich zwischen 30 und 40. Vor Jahren schon habe ich das Laufen entdeckt, zwei- oder dreimal die Woche. Nur mit den Ballsportarten tue ich mich weiterhin schwer. Golf habe ich versucht, aber da stellt sich bei mir plötzlich Live-Angst ein. Alleine geht's, aber wenn mir zwei Leute beim Abschlag zuschauen, fliegt der Ball irgendwohin.

teleschau: Man sollte meinen, einem erprobten Live-Moderator wie Ihnen sollte das egal sein.

Plasberg: Ist es nicht.

teleschau: Also würde der Plasberg immer noch als Letzter gewählt, wenn die alte Schulklasse zusammenrufen würde?

Plasberg: Hören Sie auf. Vielleicht ist ja doch Golf die Lösung. Da muss nicht gewählt werden.

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Diese News wurde am 03.09.2010 um 16:59 Uhr von Redaktion veröffentlicht.
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