
Die Weisheit, dass Hummeln physikalischen Gesetzen zufolge nicht fliegen können, es aber dennoch tun, weil sie davon nichts wüssten, gilt mittlerweile als widerlegt: Bombus, wie die pelzige Bienenart mit wissenschaftlichem Namen heißt, verfügen über einen komplexeren Flügelschlag als ursprünglich angenommen, was es ihnen ermöglicht, das aerodynamisch ungünstige Verhältnis von Flügelfläche und Körpergewicht auszugleichen. In "Die Hummel" wird diese Erkenntnis unter den Teppich gekehrt. Das mag wissenschaftlich zwar nicht korrekt sein, ändert aber nichts am Unterhaltungswert der Tragikomödie.
Mein Haus, mein Auto - gut, die Jacht fehlt, aber ansonsten scheint es Pit (Jürgen Tonkel) tatsächlich geschafft zu haben. Und das nur, weil sich die Naturkosmetikprodukte, die er vertreibt, quasi von selbst verkaufen. Das erzählt er jedenfalls seinen ehemaligen Klassenkameradinnen, die er "wie zufällig" wiederfindet und sie beim gemeinsamen Abendessen für das Schneeballsystem zu gewinnen versucht.
Schnell jedoch häufen sich die Indizien dafür, dass das Leben, dass Pit seinen Kunden, seinem Sohn Flo (Michael Kranz), ja, selbst seiner alten neuen Flamme Christiane (Inka Friedrich) vorgaukelt, nur schöner Schein ist: Er stellt sich tot, sobald es an der Tür klingelt, und vertröstet seinen Chef, weil er die Raten für das geleaste Auto nicht zahlen kann. Doch selbst, als Pit aus seiner Wohnung fliegt und sich bei seinem protestierenden Sohn einquartiert, will er sein Scheitern nicht eingestehen. Nicht vor Flo, nicht vor Christiane und erst recht nicht vor sich selbst.
"Ich bin mir nicht sicher, ob ich deine Welt mag", bringt es Christiane nach einigen Verabredungen auf den Punkt. Weder sie noch der besser informierte Zuschauer weiß so recht, was man für den Vertreter nun empfinden soll. Bewunderung, weil er sich mit aller Kraft gegen seine persönliche Bankrott-Erklärung wehrt? Verachtung, weil er dazu noch hilflosere Fälle wissentlich ausnutzt? Oder Mitleid, weil seine Situation so auswegslos erscheint?
Verzweiflung, Stolz, Unsicherheit und Versagensangst - Jürgen Tonkel bedarf nicht vieler Worte, die Emotionen, die seine Figur antreiben, kenntlich zu machen. Und erfreulicherweise drängt Regisseur und Autor Sebastian Stern sie ihm auch nicht auf. Ebenso beiläufig streut er humoristische Momente ein, die aus der Situation heraus entstehen. Die natürliche, bodenständige Optik unterstreicht diese Lebensnähe, die den Film wirklich aus- und ein paar kleinere Längen wettmacht: Denn so eine Hummel, wie sie hier porträtiert wird, hat wohl jeder schon einmal getroffen.









