Rockstar an der Leine

Männertrip

Angeblich waren Jonah Hill und Russell Brand die heimlichen Lieblinge, als Nicholas Stoller 2008 "Nie wieder Sex mit der Ex" inszenierte. Und so gab er ihnen in "Männertrip" wie einst Kevin Smith dem Duo Jay und Silent Bob eine eigene Plattform. Allerdings dürfte Produzent Judd Apatow nicht so sentimentale Gründe haben wie der schrullige Smith. Apatows Agenda der letzten Jahre liest sich wie folgt: "Jungfrau (40), männlich, sucht", "Beim ersten Mal", "Wie das Leben so spielt". In einem Satz: Er ist reich. Und da sich Geld vermehren soll, bat er Jonah Hill und Russell Brand zum Tanz. Das Niveau durfte zu Hause bleiben.

Als Jesusverschnitt in Bronzehose gibt Brand den Aldous Snow, den Inbegriff des Rockstars, während Hill den freundlichen, dicken Aaron mimt, gutmütig bis zum Umfallen. Eine offensichtlich explosive Mischung, wenn der taumelnde Musiker zum Comeback gehievt werden soll und noch immer unter grenzenloser Selbstüberschätzung leidet. Nur hat er gar nicht das Gefühl zu leiden. Den Part übernimmt natürlich der Pummelige, der zu niemandem unfreundlich sein möchte. Also versucht Aaron alles zu tun, was sein Idol glücklich macht: Orgien feiern, Flieger verpassen, viel kotzen, Sex auf der Toilette und - er steckt sich natürlich Drogen in den Po, bevor sie gemeinsam in den Flieger von London in die USA einsteigen.

Das Drehbuch überfrachtet zu nennen, wäre eine Verharmlosung. Das beweist bereits der - allerdings geniale - Vorspann. In wenigen Minuten und mit sehr viel Zynismus fasst Stoller Aldous' Bandkarriere zusammen. An dieser Stelle darf sich "Männertrip" in die Annalen der Musikerfilme eintragen.

Doch dieses Tempo kann kein Cutter dieser Welt beibehalten. Und so wird die Reise von Promoter-Greenhorn und Rockchaot eine Fahrt jenseits von Erfolg und Vergnügen. Allzu viele Zwischenstationen, bei denen sich der von Sean Combs (früher bekannt als Puff Daddy) gespielte Plattenchef einschaltet plus nicht verwundener Beziehungsschmerz und nebenbei zu klärende Probleme mit dem Papa (fehl am Platz: der Ire Colm Meaney) ziehen die Reise unnötig in die Länge.

Unnötig deshalb, weil sich Gags und Gestik schamlos wiederholen. Witze auf Kosten des schwitzenden Dicken, den nicht mal seine Freundin (selbst eine graue Maus: Elisabeth Moss) ernst nimmt, sind nun keine komödiantische Meisterleitung. Doch sowohl der Star als auch sein hilfloser Begleiter wünschen sich insgeheim und bald für jeden sichtbar nur jemanden zum Kuscheln. Und das ist die Moral dieses Spin-offs. Auch wenn es faszinierend ist, wie perfekt Russell Brand die Rolle des Rockstars ausfüllt, sind nur zwei Dinge amüsant: der unerwartete Auftritt von Metallica-Drummer Lars Ulrich und der perfekt inszenierte Song "African Child", Snows Fehlgriff, der sich Fans und Zuschauern ins Gedächtnis brennt.

Details

  • Drehbuch: Claudia Nitsche
  • Regie: Nicholas Stoller
  • Darsteller: Jonah Hill, Russell Brand, Sean Combs
  • Land: USA
  • Jahr: 2010
  • Genre: Komödie
  • Spielzeit: 109 Min.

Mehr im Web

Diese News wurde am 27.08.2010 um 16:58 Uhr von Redaktion veröffentlicht.
Um einen Kommentar schreiben zu können, musst Du angemeldet und eingeloggt sein.
Noch keinen Account? Jetzt registrieren.
Oder bestehenden Zugang nutzen:
Hier neu registrieren.
Hier neues Passwort anfordern.

Aktivitäten Deiner Freunde

NWZ-Inside Webradio

NWZ TV: Region

NWZ-Inside auf facebook und twitter