Kitsch und Choreografien

Step Up 3D

Ob "Flashdance" (1983) oder "Dirty Dancing" (1987) - Tanzfilme legten selten einen hohen Anspruch an den Tag, schafften es aber dennoch, Teenager-Mädchen in andere Sphären zu entrücken. In jüngster Zeit setzt die Filmindustrie besonders auf das Geld dieser Zielgruppe. Nach der "High School Musical"-Reihe zappeln nun auch die "Step Up"-Tänzer zum dritten Mal über die Leinwand. Anspruch konnte die Filmwelt aber auch nach 30 Jahren nicht für dieses Genre finden.

Ja, so kann das gehen: Gerade noch hat Moose (Adam Sevani) seinen Eltern hoch und heilig versprochen, mit dem Tanzen aufzuhören und sich auf sein Ingenieur-Studium zu konzentrieren, da macht er auch schon den härtesten Tänzer der Gegend in einem Dance Battle fertig. Aufgegabelt wird er sofort von Luke (Rick Malambri), der in einer alten Fabrik, einst gekauft von seinen verstorbenen Eltern, mit seinen Tanzkollegen der "Pirates" lebt. Moose soll die Rettung sein: Er muss helfen, einen Streetdance-Wettkampf gegen das "House Of Samurai" zu gewinnen, denn nur so können sie das Haus behalten. Als Luke sich dann noch in die geheimnisvolle Natalie (Sharni Vinson) verliebt, ist die weitere Handlung abzusehen.

Regisseur Jon M. Chu greift hier geschickt die Fantasien junger Mädchen auf. Welche träumt nicht davon, mit ihren Freunden in liebevoller Anarchie zusammenzuleben? Dazu ein gut aussehender Mann, für den sie "unheimlich starke Gefühle" entwickeln kann? Welche will nicht Großes leisten und als beste Tänzerin der Stadt einen Battle gewinnen? In dieser Hemisphäre klingt Moose' Philosophie "Ein Move kann einer ganzen Generation die Freiheit geben" fast wie eine King'sche Lebensweisheit.

"Step Up 3D" hat alles, was eine ordentliche Teenie-Schmonzette braucht: Fade, aber attraktive Charaktere, sülzige Dialoge, ein Romeo-und-Julia-Motiv und einen modernen Jugendbezug. So grooven sich die Figuren durch den überladenen Kitsch eines zweistündigen HipHop-Videos, das keine Übertreibung scheut - vom bombastischen Ghettoblaster-Raum bis hin zum finalen Tanz mit phänomenaler Neon-Lichtshow. Die Effekte in Sachen 3D sind dagegen eher untertrieben. Abgesehen von gelegentlich hervorgehobenen Schriftzügen oder schwirrenden Soda- oder Seifenbläschen, sind sie praktisch nicht vorhanden.

Tanzen können sie, die "Pirates" und "Samurai", das muss man ihnen lassen. Auch scheinen sich die Choreografen große Mühe gegeben zu haben, das Publikum mit besonderen Tanzeinlagen zu beeindrucken. Bei der Rückbesinnung auf den zweiten Teil "Step Up To The Streets" sind manche Phänomene allerdings nicht mehr ganz neu. Auch scheint ein bestimmter Turnschuh-Hersteller anscheinend eine besondere Rolle im HipHop-Universum zu spielen - im Haus der "Pirates" gibt es gleich eine ganze Galerie von seinen Tretern. Es ist damit unschwer zu erkennen, wer diesen Film gesponsort haben dürfte.

Dass "Step Up 3D" trotz aller Klischees schlussendlich noch erträglich ist, liegt vor allem an dem sympathischen Moose und seiner besten Freundin Camille (Alyson Stoner). Der zottelige Nerd macht durch seine nette Naivität einiges wieder wett, was Luke und Natalie an überladenden Gefühlen auffahren. Immerhin bringt Letztere sogar einen Hauch Ironie mit ins Drehbuch, wenn sie Luke zu seinen pathetischen Begeisterungsstürmen auf den Großstadtverkehr antwortet: "Verkehrslärm gibt dir das Gefühl, Teil etwas wirklich Großem zu sein? Wie tiefgründig ..." Und am Ende gibt es sogar eine Wendung im Plot, die nicht schon nach fünf Minuten zu erwarten war.

Details

  • Drehbuch: Larissa Pittelkow
  • Regie: Jon M. Chu
  • Darsteller: Sharni Vinson, Rick Malambri, Adam Sevani
  • Land: USA
  • Jahr: 2010
  • Genre: Musical
  • Spielzeit: 111 Min.

Mehr im Web

Diese News wurde am 20.08.2010 um 16:26 Uhr von Redaktion veröffentlicht.
Um einen Kommentar schreiben zu können, musst Du angemeldet und eingeloggt sein.
Noch keinen Account? Jetzt registrieren.
Oder bestehenden Zugang nutzen:
Hier neu registrieren.
Hier neues Passwort anfordern.

Aktivitäten Deiner Freunde

NWZ-Inside Webradio

NWZ TV: Region

NWZ-Inside auf facebook und twitter