
Nur ein echter Rocker nimmt auf seinem Motorrad Platz und lässt sich von seinem schmierigen Kumpan tätowieren. Nur ein harter Hund fährt mit seiner Harley Davidson durch die nächtliche Großstadt. Und wer trägt ein großes Totenkopf-Emblem auf seiner Haut, wenn nicht eine wahre Kämpfernatur? Sylvester Stallone setzt nach dem "Rocky"- und "Rambo"-Revival der vergangenen Jahre seine Zeitreise in die Achtziger fort und bringt mit "The Expendables" ein überraschend geradliniges Actionstück alter Schule in die Kinos. Der 64-Jährige spielt den Anführer einer Söldner-Truppe, die von Unternehmen, aber auch Geheimdiensten angeheuert wird, um Geiseln zu befreien oder Diktatoren zu stürzen.
Die Expendables - zu Deutsch: Die Entbehrlichen - sind eine loyale Bande aus Eigenbrötlern, die sich mit Gelegenheitseinsätzen über Wasser halten und so das Geld für Benzin und Alkohol auftreiben. Wenn sie einmal nicht mit gespannten Oberarmen und flotten Sprüchen grausame Gegenspieler außer Gefecht setzen, bekämpfen sie die Langeweile mit spontanen Wurfmesser-Wettbewerben und unverbindlichen Frauenbesuchen.
Das sinnlose Leben in den Tag hinein hat ein Ende, als ein hochrangiger CIA-Agent Leithammel Barney Ross (Stallone) den Auftrag gibt, eine korrupte Militärjunta eines südamerikanischen Inselstaats zu stürzen. Für die kampflustigen Musketiere ist nichts leichter als das, wären da nicht die schöne Generalstochter und ein ehemaliger US-Topagent, der nicht auf den Kopf gefallen ist und im unterjochten Paradies seine eigenen bösen Pläne verfolgt.
Für sein patriarchalisches Muskelspiel hat Stallone, der auch Regie führte und das Drehbuch mitverantwortet, eine illustre Runde junger und gealterter Kinohaudegen um sich versammelt. Sollen hierzulande weithin unbekannte Kampfsportler wie Randy Coutoure und Steve Austin brachiales Flair verströmen, sorgen zeitgenössische Actionstars wie Jason Statham als schneidiger Glatzkopf mit dem Herz am richtigen Fleck und Jet Li als wendiger Nahkampfprofi mit Geldsorgen für berechenbare Unterhaltung. Auch Mickey Rourke ist mit am Zug, belässt es aber bei seinen Tätowier- und Liebeskünsten. Bemerkenswert ist die Rückkehr von Ur-Bösewicht Dolph Lundgren ("Masters of the Universe", "Universal Soldier") in der Rolle des unzurechnungsfähigen Killers ins Mainstream-Kino. Doch hat der mittlerweile 52-jährige Genredarsteller offensichtlich nicht den Ehrgeiz entwickelt, über das Klischee des facettenlosen Unruhestifters hinauszureichen.
Angesichts der grundsoliden, deshalb aber auch bis ins Detail vorhersehbaren und kaum Akzente setzenden Handlung ist es überraschend, dass Stallones Herzensprojekt gar Bruce Willis überzeugte, der jedoch befremdlich aufgesetzt den kompromisslosen Geheimdienstler mimt. Selbst Arnold Schwarzenegger wurde zu einem Auftritt animiert und lässt es sich in seiner Funktion als kalifornischer Gouverneur nicht nehmen, als ehemaliger Lohnkiller zumindest Anklänge von Selbstironie spüren zu lassen. Befriedigt wird in erster Linie die Schaulust an pyromanischen Eskapaden, explosiver Groteske und einem bleigesättigten Schusswaffenballett.
Getragen wird die knapp 100-minütige Tour de Force in die Vergangenheit des Action-Kinos vom antiquierten, mittlerweile aber vielleicht wieder zeitgemäßen Charme des starken Mannes. Männer, das ist eine der zweifelhaften Quintessenzen der Kinofantasie, sind nicht fehlbar, sondern handeln grundsätzlich als Täter, nicht als Opfer. Das hat zumindest in der Logik des Films den Vorteil, dass es jede Menge Anlässe zu wüsten Keilereien gibt. Das führt zu einer weiteren Wortbedeutung der "Expendables" - zu Deutsch auch: "Die Überflüssigen".









