Liebe auf Distanz

Verrückt nach dir

Romantische Komödien enttäuschen bisweilen durch Einfallslosigkeit und übertriebene Peinlichkeiten. Was sicherlich schon daran liegt, dass allwöchentlich eine neue Liebesgeschichte mit Humor ihren Weg in die Kinos findet. Sie finden und verlieren sich, um sich am Ende doch überglücklich in die Arme zu fallen: Wenn es nach dem Liebesschema des zeitgenössischen Kinos ginge, würde traute Einigkeit in den Beziehungskisten dieser Tage herrschen - aber auch gepflegte Eintönigkeit. Drew Barrymore hat sich trotzdem dazu entschieden, ein weiteres Mal den Versuch zu wagen, eine Romanze mit Pfiff zu drehen. Dies gelingt ihr in "Verrückt nach Dir" überraschend gut.

Darin spielt sie die ambitionierte Hochschulabsolventin Erin aus San Francisco, die bei einer New Yorker Tageszeitung ein Praktikum absolviert. Sie hofft auf eine Festanstellung als Reporterin, hat aber angesichts der miesen Wirtschaftslage kaum Aussichten darauf. Kurz vor ihrer Rückkehr an die Westküste trifft sie in einer Bar unverhofft auf den unscheinbaren, aber smarten Garrett, der als Talentscout bei einem angesagten Plattenlabel arbeitet und gerade am selbigen Abend von seiner Freundin verlassen wurde. Es funkt, und alles könnte in trauter Eintracht seinen Lauf nehmen, wenn es nicht wahre Liebe wäre, die sich anbahnt und die beiden vor die Herausforderung stellt, sich auf eine Fernbeziehung einzulassen.

Dabei werden sie mit den üblichen Problemen konfrontiert: zehrende Einsamkeit, Sehnsucht, misslingende Liebesspiele am Telefon und der sich aufdrängende Verdacht, dass der Partner in der Ferne vielleicht doch durch fremde Betten vagabundiert. Doch trotz aller Schwierig- und Kostspieligkeiten raufen sich die beiden immer wieder zusammen, ohne das Vertrauen ineinander ernsthaft zu gefährden. Es mag an der Vertrautheit liegen, die augenscheinlich zwischen der quirligen Barrymore (35) und ihrem Filmpartner Justin Long (32) herrscht, dass es so angenehm ist, ihnen bei allen Irrungen, Wirrungen und - selten bei einer romantischen Komödie - rationalen Aushandlungen der drängenden Problemfragen zuzuschauen.

Dass hier tatsächlich die allzu oft beschworene Chemie stimmt, führen die beiden turtelnden Protagonisten auf ihre gemeinsame Vergangenheit zurück, die neben einem gemeinsamen Film ("Er steht einfach nicht auf Dich!") auch eine Liebesbeziehung beinhaltet, die von einer innigen Freundschaft abgelöst wurde. Unter der Regie der Dokumentarfilmerin Nanette Burstein zeichnen sie ein lebendiges und mitunter sogar einfühlsames Bild einer Beziehung auf Raten: Wer besucht wen als nächstes und - viel wichtiger - wer ist bereit, für den anderen seinen Job aufzugeben, damit endlich ein gemeinsamer Lebensmittelpunkt gefunden werden kann? Bei aller lockeren Flockigkeit der Handlung wird hier mit einer Prise Ernsthaftigkeit und Hingabe authentisch dort weiterdiskutiert, wo sich auch der Zuschauer in wirtschaftlich angespannten Zeiten befindet: Berufliche Flexibilität, vor allem bei der Wahl des Wohnortes, gehört mittlerweile zum Alltag.

Komödiantische Extravaganzen halten sich ebenso in Grenzen wie das nötige Maß an Gefühlsduselei. Für geringfügige Albernheiten sind die Kompagnons des männlichen Parts zuständig - zuverlässig sind hier Komikertalente wie Jason Sudeikis und Rob Riggle aus den Fernsehshows "Saturday Night Live" und "The Daily Show". Und die komödiantisch enorm gereifte Christina Applegate ("Eine schrecklich nette Familie") gibt die strenge Schwester der Umworbenen mit Sauberkeitsfimmel und Mutterinstinkt. Zwar werden hier wohl nicht sämtliche, aber einige Register gezogen, doch überziehen Barrymore und Long ihr erfrischend authentisch anmutendes Portrait einer Liebe mit (überwindbaren) Hindernissen glücklicherweise nicht.

Wenn Garrett sich erstmals in seinem Leben der seltsamen Prozedur einer Bräunungsdusche aussetzt, nur um seine Freundin mit einem attraktiven und lückenlosen Teint zu überraschen, muss der Versuch natürlich gründlich schiefgehen - aber auf nachvollziehbare, gar nicht karikatureske Weise. Und wenn die Liebenden ausgerechnet auf dem pittoresken Esstisch der peniblen Schwester übereinanderherfallen, weil sie sich doch so selten sehen, und flugs dabei ertappt werden, dann ist auch das von einer entwaffnenden Situationskomik, die niemals peinlich berührt. So lebensnah und trotzdem gewitzt und beschwingt das ganz und gar alltägliche Liebesmärchen erzählt wird, ist es der Gerüchteküche nicht zu verdenken, dass sie den Hauptdarstellern mehr andichtet als eine gute Freundschaft.

Details

  • Drehbuch: Leif Kramp
  • Regie: Nanette Burstein
  • Darsteller: Drew Barrymore, Justin Long, Christina Applegate
  • Land: USA
  • Jahr: 2010
  • Genre: Komödie
  • Spielzeit: 103 Min.

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Diese News wurde am 27.08.2010 um 16:58 Uhr von Redaktion veröffentlicht.
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