
"Boxhagener Platz" (2010) ist kein Klamauk, kein Witzekatalog über den Osten à la Leander Haußmann ("Sonnenallee"). Der 58-jährige Regisseur Matti Geschonneck erklärt mit seiner Hommage an früher der Stadt Berlin vielmehr seine Liebe: In seinem bescheidenen Drama, das jetzt auf DVD erscheint, erzählt er eine Familiengeschichte aus dem Osten, aufgezeichnet im Jahre 1968, als Geschonneck selbst an jenem Platz aufwuchs. Wenn auch die Themen umfangreich sind - von der Arbeiterbewegung über die Liebe hin zum antikapitalistischen Gruppensex - überfrachtet der Regisseur seine großartig besetzte Romanadaption von Torsten Schulz nicht.
Die blitzgescheite Otti (Gudrun Ritter) tauscht zusammen mit ihrem wissbegierigen Enkel Holger (Samuel Schneider) am Küchentisch Weisheiten aus und erzählt ihm die Neuigkeiten rund um den Boxhagener Platz. Weil Otti bereits fünf Gatten überlebt hat, geht sie oft zum Friedhof - in jüngster Zeit immer lieber: Der alte Suffkopp Karl (Michael Gwisdek), dem sie bei der Grabpflege unter die Arme griff, entpuppt sich als ein Zeitgenosse, mit dem Otti gern Gespräche führt.
Während die Oma ihre erfreuliche Begegnung genießt, entfremden sich Holgers Eltern, Ottis systemtreuer Schwiegersohn Klaus-Dieter (Jürgen Vogel) und die unzufriedene Mama (Meret Becker), voneinander. Dazu mischt Geschonneck eine Art Detektivgeschichte, denn ein alter Nazi wird ermordet.
Die DVD-Umsetzung des charmanten Films, der im Kino recht ordentlich lief, ist nicht ganz zufriedenstellend: Farb- und Schärfeeindruck sind zwar gut, doch stellenweise mischt sich ein starkes Rauschen ins Bild. Der Dolby-Digital-Sound ist etwas flach und nutzt nur gelegentlich die hinteren Boxen. Im Bonusteil gibt es nur ein Making Of, das mit einer guten halben Stunde Laufzeit zahlreiche informative Einblicke liefert.









