Gefangen im Film

Das Leben ist zu lang

Die Marotte von einigen Filmemachern, sich möglichst unauffällig selbst in Szene zu setzen, nimmt langsam ulkige Züge an. Eine Reihe jüngerer Regisseure wie M. Night Shyamalan oder Eli Roth machen es ebenso wie ihre großen Vorbilder Alfred Hitchcock, Oliver Stone oder auch Robert Redford, Quentin Tarantino und Mel Brooks. Auch der Berliner Kreative Dani Levy tritt gerne in seinen eigenen Filmen auf. Und er treibt die Selbstbespiegelung in seiner neuen schrägen Komödie "Das Leben ist lang" auf die Spitze. Unterstützt wird er dabei von einer Riege der deutschen Schauspielprominenz: von Veronica Ferres, Yvonne Catterfeld und Heino Ferch bis hin zu Michael Bully Herbig, Justus von Dohnanyi, Udo Kier und Gottfried John.

Levy weist mit 52 Jahren einen Grad selbstreflexiver Reife auf, den andere Filmemacher wohl nie erreichen. Hingebungsvoll widmete er sich in den vergangenen Jahren gewitzt und beschwingt deutsch-jüdischen Mentalitäts- und Problemfragen. Nach seinem großen Komödienerfolg mit "Alles auf Zucker!" und der ominöse Konvulsionen auslösenden Farce "Mein Führer" wartet er nun mit einer Filmkomödie über die Filmbranche auf: "Das Leben ist zu lang" verrennt sich nur allzu gern und nachdrücklich in bekannten Klischees über das Filmgeschäft und setzt dem ungläubigen Publikum einen Regisseur vor, der verdächtig unverdächtig wie ein Alter Ego des ehemaligen Vagabunden Levy erscheint.

Filmemacher und Familienvater zu sein, sind Aufgaben, die nicht problemlos bewältigt werden können. Zumindest laut Alfi Seliger (Markus Hering), dem jüdischen Regisseur mit krausen Haaren, frustrierter Ehefrau (Meret Becker) und zwei genervten Kindern, aber auch mit einer fixen Idee: Sein kreatives Schaffen soll nach seinem viel zu frühen Klimax mit der Komödie "Das blaue Wunder" einen weiteren Höhepunkt erreichen. Dass es sich bei Seligers neuem Projekt um eine bitterböse Satire über die Mohammedkarikaturen handelt (Arbeitstitel: "Mo-ha-ha-mmed"), gibt das psychische Dilemma des nach und nach scheiternden Künstlers preis. Seine Suche nach einem Produzenten und den geeigneten Schauspielstars wirft ihn nicht nur in ein Wechselbad der Gefühle. Sie führt ihn auch auf den Weg zur Selbstaufgabe, doch letztlich unverhofft zu sich selbst - oder zu Levy, je nachdem.

Film-im-Film-Szenarien neigen in der Regel dazu, den Zuschauer zu verwirren. Es sei denn, die unwirkliche Ebenenverschiebung verleiht der Erzählung eben die unverhoffte Tiefe, die sie vorher zu entbehren schien. Tatsächlich ist das Regisseurporträt bis zum Wendepunkt in seiner liebenswerten Schrulligkeit unterhaltsam, lässt aber weder angemessen tief in die Psyche eines Filmemachers blicken, noch sind seine harmlos-peinlichen Verstrickungen auf dem absteigenden Ast wirklich originell.

Dadurch, dass sich Levy selbst ins Spiel bringt und einen Aufstand seines Protagonisten gegen sein filmisches Schicksal suggeriert, provoziert er ein gedankliches Lustspiel mit der Traummaschine Kino. Dabei kommt es ihm mutmaßlich nicht auf eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der inszenatorischen Kraft des Vorgaukelns an. Er betrachtet ganz simpel und auch deshalb so erträglich humorvoll unser Leben als großes Theater, in dem wir selbst für uns die Hauptrolle beanspruchen - so gut oder schlecht wir auch spielen mögen.

Details

  • Drehbuch: Leif Kramp
  • Regie: Dani Levy
  • Darsteller: Markus Hering, Meret Becker, Veronica Ferres
  • Land: D
  • Jahr: 2010
  • Genre: Komödie
  • Spielzeit: 86 Min.

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Diese News wurde am 20.08.2010 um 16:26 Uhr von Redaktion veröffentlicht.
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