Bei Merlins Bart!

Duell der Magier

Merlin kann einem wirklich leidtun. Mehr als jeder von Paparazzi belagerte und von der Klatschpresse verfolgte Hollywoodstar. Denn wann immer in einem Film gezaubert wird, irgendwann findet der mal herzensgut, mal bitterböse porträtierte Magier zumindest Erwähnung. Und in den vergangenen Jahren fand im Namen des mächtigen Hexenmeisters - wir erinnern uns an Highlights wie "Merlin 2 - Der letzte Zauberer" (2006) - vor allem fauler Zauber statt. Auch im "Duell der Magier" muss er wieder herhalten - nicht in der Hauptrolle, aber als Urahn eines überforderten Nachwuchshexers.

Schon im Alter von zehn Jahren - also ein Jahr vor Harry Potter - erfuhr Dave (Jay Baruchel) von seiner verborgenen Begabung: Erst erwachte in einem seltsamen Laden eine kleine Drachenfigur zum Leben und schlang sich als Ring um seinen Finger. Dann erläuterte ihm der etwas verwilderte Eigentümer Balthazar Blake (Nicolas Cage), dass er zum Magier geboren sei. Doch viel weiter kam er in seinen Ausführungen nicht, da prompt sein Erzfeind Maxim Horvath (Alfred Molina) hereinplatzte und die Herausgabe einer überdimensionierten Matroschka forderte, in der eine Handvoll finsterer Gestalten und Merlins Mörderin Morgana gefangen gehalten werden. Ein gewaltiger Kampf entbrennt, den der kleine Dave zehn Jahre zu vergessen versucht.

Plötzlich jedoch kehrt Balthazar in sein Leben zurück und überredet den Physikstudenten, sein Zauberlehrling zu werden. Anfangs unwillig, findet der Außenseiter langsam aber sicher Gefallen daran, die Lehren seines Urahns Merlin zu studieren - auch wenn er dafür aus nicht genau nachvollziehbaren Gründen nun spitz zulaufende "Alte-Männer-Schuhe" tragen muss. Doch von seiner Ausbildung lenkt ihn nicht nur seine schöne Kommilitonin Becky (Teresa Palmer) ab, sondern auch der Rachefeldzug Horvaths, der noch immer die Befreiung Morganas und damit die Apokalypse anstrebt.

Selbst wenn der Namenszug nicht in großen Lettern im Abspann stünde, anhand weniger Indizien lässt sich der Einfluss des Produzenten Jerry Bruckheimers für informierte Cineasten zweifelsfrei ausmachen: Zum einen engagierte er mit Jon Turteltaub ("Das Vermächtnis der Tempelritter", "Das Vermächtnis des geheimen Buches") nicht nur einen für ihn bewährten Regisseur, er vertraute auch bei der Hauptrollenbesetzung auf Erprobtes: Nicolas Cage steht seit den "Vermächtnis"-Filmen im Telefonbuch des Abenteuerexperten, Alfred Molina durfte schon in "Prince of Persia: Der Sand der Zeit" böse dreinschauen. Auch der Soundtrack, der sich allzu oft donnernd in den Vordergrund drängt, weist auf einen Bruckheimer-Film hin.

Deutlichstes Anzeichen bleiben jedoch die Actionsequenzen, die das Geschehen auf der Leinwand unweigerlich dominieren. Höher, weiter, schneller, bunter - dass Zauberei das Thema dieses Spektakels ist, gibt Bruckheimer endlich einen Freifahrtschein, ein Effektfeuerwerk loszulassen, das sich über sämtliche logischen Einwände hinwegsetzen darf. Schade nur, dass es dazu an Kreativität mangelte: Es mag zwar noch ansehnlich sein, einen Drachen aus einer chinesischen Parade lebendig werden zu lassen, doch ein Käferschwarm, der menschliche Gestalt annimmt, erinnert heftig an Stephen Sommers' "Die Mumie", die immerhin schon elf Jahre auf dem Buckel hat. Und warum bitteschön haben es zwei mächtige Zauberer nötig, sich in Sportwagen Verfolgungsjagden zu liefern?

So fällt umso deutlicher auf, dass die restliche unüberraschende Handlung eigentlich nur drum herumgezimmert wurde, um die Kaboom-Szenen zu rechtfertigen und offensives Product Placement zu betreiben. Wen wundert's da, dass das Filmstudio Disney eine Szene, in der der Zauberlehrling einen Besen zum Aufräumen abkommandiert, als Hommage an den hauseigenen Zeichentrickklassiker "Fantasia" statt an Goethes berühmte Ballade ansieht. Doch der Bezug auf den Dichterfürsten wäre wohl auch zu vermessen gewesen: Der nämlich verfügte über Wortwitz, der im Gegensatz zum hier Gebotenen auch zu zünden wusste. Die fehlende Quellenangabe dürfte den alten Goethe also nicht dazu verleiten, sich beleidigt im Grab herumzudrehen. Und für Merlin reicht hoffentlich die Genugtuung, dass das "Duell der Magier" an den Kinokassen wohl zugunsten Harry Potters ausgehen wird.

Details

  • Drehbuch: Annekatrin Liebisch
  • Regie: Jon Turteltaub
  • Darsteller: Nicolas Cage, Jay Baruchel, Alfred Molina
  • Land: USA
  • Jahr: 2010
  • Genre: Fantasy
  • Spielzeit: 109 Min.

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Diese News wurde am 27.08.2010 um 16:58 Uhr von Redaktion veröffentlicht.
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