
Drei Jahre dauerte es, bis The Offspring nun ihr neues Album "Days Go By" veröffentlichen können. Drei Jahre, in denen die Aufnahme-Sessions immer wieder unterbrochen wurden, um die frisch geschriebenen Songs auf ihre Hitverdächtigkeit direkt am Publikum zu testen. Auch deswegen werden die Pop-Punker mit diesem Album Erfolg haben. Was der Platte aber fehlt, ist ein Gesamtkonzept, das über eine bloße Aneinanderreihung von Songs hinausgeht.
The Offsprings musikalische Qualität lässt sich an einem Album und zwei Zeitperioden festmachen: vor und nach "Ixnay On The Hombre" (1997). Zwar blieben die Absatzzahlen jenes Albums weit hinter dem kommerziell viel erfolgreicheren Vorgänger "Smash" (1994) zurück, aber die mehr als positive Resonanz, die der Orange-County-Vierer mit "Ixnay On The Hombre" in der Punkrock-Szene erzielte, ist bis heute ungebrochen - und mit jeder weiteren Veröffentlichung müssen sich The Offspring an dieser Phase ihrer Kreativität messen lassen.
Klar: Mit dem 1998 nachgereichten Schnellschuss "Americana" und den darauf enthaltenden Hit-Singles "Pretty Fly (For A White Guy)" und "Why Don't You Get A Job" konnte sich das Quartett seiner Heavy-Rotation auf MTVIVA sicher sein - vom immensen Popularitätsschub und den damit verbundenen ausverkauften Touren mal ganz abgesehen. Aber der Anteil an schnörkellosen Punkrock-Songs wich den weitaus massenkompatibleren Radio-Ohrwürmern von Album zu Album.
Das hört sich jetzt alles viel negativer an, als es dann stellenweise ist. Denn auch auf "Days Go By" verstehen es The Offspring immer noch, straighte Skatepunk-Nummern ("Hurting As One"), knackige Rocker ("The Future Is Now") und solide Radio-Songs ("Days Go By") rauszuhauen. Doch die Sache hat einen Haken, denn das Album wäre nur allzu gerne eine ausgewachsene LP mit A- und B-Seite. Die ersten fünf Songs am Stück bilden die A-Seite - alles gut bis dahin. Doch die B-Seite wird von einem Totalausfall eingeleitet: der Auf-Teufel-komm-raus-gute-Laune-Single "Cruising California (Bumpin' In My Trunk)", die dem Album eine - (un-)gewollte? - Zäsur beschert.
Das geht leider auf Kosten der zweiten Hälfte von "Days Go By". Die stimmige - und sich mit jedem weiteren Hördurchlauf steigernde - U2-Verbeugung "All I Have Left Is You" geht dabei doppelt unter: Dieser Hinhörer wurde unsinnigerweise direkt hinter "Cruising California (Bumpin' In My Trunk)" geklemmt und wird dann von der nächsten - mit Mariachi-Gitarren und -Bläsern unterfütterten - Ulk-Nummer "OC Guns" flankiert. Auch die klasse umgesetzte Neu-Aufnahme von "Dirty Magic", das damals ursprünglich auf "Ignition" (1992) zu finden war, kann die restlichen Songs der von Seite zwei nicht mehr retten. Schade.
Letzterer Song zeigt das Dilemma, in dem sich The Offspring mit "Days Go By" befinden: Wenn man sich schon am eigenen Fundus bedient, deutet das entweder darauf hin, dass einem die Ideen für neue Songs ausgehen oder dass früher vielleicht doch alles besser war. Das erwartete Comeback der Saison ist "Days Go By" leider nicht geworden.
















