Kelly Hogan

I Like To Keep Myself In Pain

Nicht unbedingt ein riesiger Output: Seit 1994 hat die aus Atlanta stammende Singer/Songwriterin Kelly Hogan "nur" vier Alben veröffentlicht. Aber: Sie hätte sicherlich bereits tonnenweise hochkarätige Werke hinaus in die Welt befördert, würde sie sich nicht ständig für versierte Musiker wie Andrew Bird, The Magnetic Fields, Freakwater, Steve Albini, Jakob Dylan oder Neko Case verdingen, denen Hogan schon sowohl als Studio- als auch Live-Verstärkung zur Verfügung stand. Fast scheint es so, als ob die wissende Community das überbordende Talent der Singer/Songwriterin nicht mit der Außenwelt teilen oder es so lange wie möglich im kleinen Kreis genießen möchte. Nun denn, ein Album "I Like To Keep Myself In Pain" zu benennen, ist nicht gerade ein schlagendes Verkaufsargument - den Mainstream wird Kelly Hogan so nicht knacken (wollen).

Sei's drum: So oder so liefern ihre Songs, die hier größtenteils aus liebevoll umarrangierten Coverversionen bestehen, noch mehr schlagende Argumente für ihr Talent. Wenn man Hogans fünften Longplayer einmal für sich entdeckt hat, wird er einen nicht mehr loslassen. Die beruhigende Melange aus Country, Folk, Pop und weißem Soul, die sie mit ihrer Band generiert, fesselt jede Minute.

"We Can't Have Nice Things" ist eine von Licht durchflutete Groove-Nummer, die mit 70er-Jahre-Pop-Momenten kokettiert, die sowohl von akustischer Fragilität als auch entfesselter Dynamik gleichermaßen befeuert werden. "Haunted" outet sich als extrovertiert aufspielender Southern-Rocker mit einem Schuss Soul. In "Daddy's Little Girl" hingegen suhlt sich Hogan in schwärmerischem, herrlich harmonischem Pseudo-Kitsch, ähnlich agiert der schwülstige Country-Pop von "Golden". Und selbst mit psychedelisch angehauchtem Folk kann Hogan vom Hocker reißen, dessen mehrstimmige Arrangements noch vom 2009 verstorbenen Vic Chesnutt verfasst wurden ("Ways Of This World").

Das finale "Pass On By" lässt das Schlagzeug-Becken durch zwinkernde Piano-Akkorde schlingern, die Band grätscht mit einigen Moll-Akkorden dazwischen, parallel dazu singt sich Kelly Hogan noch einmal in einen emotionalen Rausch. So wird "I Like To Keep Myself In Pain" zu einem vielseitigen Zeugnis wunderbar gesetzten Musizierens auf audiophilem Niveau - mit einer leuchtenden Vokalistin, die ohne Umwege die Seele berührt. Pure Magie!

Details

  • Label: Anti
  • Vertrieb: Indigo
  • Genre: Rock/Pop
  • Stil: Country/Folk/Pop
  • Bewertung: ausgezeichnet

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Diese News wurde am 08.06.2012 um 17:24 Uhr von Redaktion veröffentlicht.
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