
Der international bekannte deutsche Schauspieler Ulrich Tukur ist schon von jeher ein Multitalent: Sänger und Conférencier, Akkordeonspieler und Liederschreiber. Für sein Album "Mezzanotte" hat er sich alte Schlager verschiedener Länder vorgenommen, die samt und sonders die Nacht als Hauptthema haben.
Diese Art von Musik muss man natürlich mögen. Denn auf "Mezzanotte" wirkt der Schauspieler ähnlich munter und dezent ironisch wie Max Raabe mit seinem Palastorchester. Wobei der 1957 geborene Tukur - bildlich gesprochen - mit seinem Akkordeon in der Fußgängerzone bereits alte deutsche Schlager sang, als Raabe wahrscheinlich noch mit der Trompete um den Weihnachtsbaum lief. Italienische, französische, französische, englische und natürlich deutsche Lieder nimmt Tukur sich vor, interpretiert sie mit zwar dezentem, aber vorhandenem deutschen Akzent. Dabei hat es ihm besonders das Liedgut vor 1945 angetan.
Musikalisch gerät "Mezzanotte" gelöst und heiter, launig und ein bisschen Heinz-Rühmann-mäßig. Keyboarder Lutz Krajenski, auch als Roger-Cicero-Arrangeur und -Bandleader tätig, arrangierte die Instrumentierung. Dazu gesellen sich zehn fantastische Musikanten, Männerchor und Sängerinnen. Jene singen und spielen Tukurs Favoriten, 19 wundervoll altmodische Stückchen aus vier Ländern, voller Herzenslust. Tukur selbst zeigt sich - so die Deutsche Grammophon, die dieses nostalgische Prunkstückchen passenderweise herausgibt - als "Flaneur, Verführer, Spieler, obendrein verrückt, verzweifelt und sehnsüchtig."
Klingt nach Plattenfirmen-Poesie? Passt aber! Tukur selbst sammelt von jeher Schellack-Platten. 2000 soll er haben, dementsprechend weiß er bestens, wie man ein Repertoire zusammenstellt. Ihm gelingt ein amüsanter Abend voller Leichtigkeit und Sarkasmus, voller fröhlicher und auch dezent böser Erinnerungen. Absolute Highlights: "Nasse Lyrik", das dunkel-sarkastisch von klammheimlich laufenden Maschen an Damenbeinen im Mondschein und fröstelnden nackten Straßenbäumen erzählt. Aber auch "Die Großstadt träumt", dessen Text - Chapeau! - Tukur selbst verfasst hat. Insgesamt ein gut gelaunter Ausflug in die Vergangenheit, der kaum Plattitüden, wenig Bekanntes, viel Spaß und einige Überraschungen birgt.
Ulrich Tukur auf Deutschland-Tournee
30.10., Hamburg, St. Pauli Theater
02.11., Fürth, Stadttheater
03.11., Hannover, Theater am Aegi
04.11., Dortmund, Konzerthaus
05.11., Darmstadt, Staatstheater
07.11., Buxtehude, Hallepaghen-Bühne
09.11., Düsseldorf, Tonhalle
25.11., Viersen, Festhalle
27.11., München, Prinzregententheater
01.12., Hamburg, Schauspielhaus
02.12., Berlin, Admiralspalast
03.12., Berlin, Admiralspalast
04.12., Berlin, Admiralspalast














