
Natürlich gibt es einige Dinge, die seit Jamiroquais 17 Jahre zurückliegenden Debüt "Emergency On Planet Earth" gleich geblieben sind. Genau genommen sind sogar eine Menge Dinge gleich geblieben, und daran änderte auch die fünfjährige Pause nichts, die die Briten zwischen "Dynamite" und dem jetzt erschienenen "Rock Dust Light Star" einlegten. Nach wie vor bewegt sich das musikalische Fundament der Briten irgendwo zwischen Funk, Pop, Disco und dem, was man früher einmal Acid Jazz nannte. Nach wie vor geht es in den Lyrics nicht um besonders viel. Und nach wie vor ist Jay Kays Stimme die absolute Dominante. Schmeichelhaft schleicht sie durch die ruhigeren Stücke, stark überwindet sie im Uptempo-Bereich die Höhen. Aber mal ehrlich: Braucht man das?
"Oh yeah" ist offenbar die Antwort - zumindest singt's Frontmann Jay Kay diverse Male. Und weil er ja der Ansicht ist, dass man's braucht, lässt er sich und seinen Songs jede Menge Zeit und erlaubt den Instrumenten alle Ausuferung. "Smoke And Mirrors" ist das beste Beispiel. Am Anfang wabert ein E-Piano, slappt der Bass. Ganz leichte Beckenschläge. Eine vielleicht etwas zu affektierte Wahwah-Gitarre. "Stop what you're doing, get into this groove", singt Jay Kay hier. Später scharfe Bläsersätze, irgendwas über irgendwen, der "Lovin' tonight" benötige.
Kann sein, dass sich dahinter eine total tiefgründige Geschichte verbirgt. Ist aber eher unwahrscheinlich, denn in der Tat scheint es auf "Rock Dust Light Star" zwar auch um Herzensangelegenheiten, aber eher um die der Instrumentierung zu gehen. Mehr als zuletzt bemühen sich Jamiroquai, ihren Sound organisch zu gestalten. Nach der Konserve, nach dem klinisch reinen Pop-Funk, der etwa das dritte Album "Travelling Without Moving" ausmachte, klingt hier nichts mehr. Stattdessen: 70er-Jahre, Baby! Das bedeutet leider: viele Uuhs und viele Aahs. Ein Vocoder. Das funktioniert manchmal aber auch ziemlich gut, etwa im feierlichen "Lifeline", in "White Knuckle Ride", das sich mit Disco-Bass, Kopfstimmen und Analog-Synthies direkt neben Alt-Hits wie "Emergency On Planet Earth" im Ohr festsetzt, oder in "Hey Floyd" mit seiner Afrobeat-Percussion. Weiter auf der Haben-Seite: "Hurtin'", das ungewohnt viel Raureif auf Jay Kays Stimme erlaubt und anfangs an Lenny Kravitz, später an Gospel erinnert. Wer beides gleich gerne mag, dürfte also auch mit "Rock Dust Light Star" glücklich werden.









