
Lwiw/Opalenica. Die EM nach der Vorrunde ohne Cristiano Ronaldo? Vor Portugals zweitem Spiel gegen Dänemark ist das kein unrealistisches Szenario mehr. Die Portugiesen stehen enorm unter Druck und haben vor zehn Jahren schon einmal erlebt, dass große Namen keine Garantie sind.
Die Bilder sind schon zehn Jahre alt, aber sie tun jedem portugiesischen Fan beim Ansehen noch immer weh. Sie zeigen Luis Figo, wie er nach dem 0:1 gegen Südkorea enttäuscht am Boden liegt oder von Guus Hiddink getröstet werden muss. Durch die Niederlage war Portugals „Goldene Generation“ bei der Fußball-WM 2002 in Fernost in der Vorrunde gescheitert.
Der Superstar der aktuellen Mannschaft heißt Cristiano Ronaldo, und wenn es an diesem Mittwoch gegen Dänemark (18.00 Uhr/ZDF) schlecht für ihn läuft, droht dem Torjäger von Real Madrid bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine eine ähnliche Enttäuschung wie damals Figo, Rui Costa und Co. Nach dem 0:1 gegen Deutschland muss Portugal gegen die Dänen unbedingt gewinnen, andernfalls dürften die Iberer erstmals bei einer EM das Viertelfinale verpassen.
In diesem Fall würde das Turnier nach der Vorrunde ohne seinen bekanntesten Spieler weitergehen. Ronaldo selbst erinnert angesichts der enormen Drucksituation lieber an eine andere Episode aus der portugiesischen Fußball-Geschichte. „2004 haben wir bei der EM auch das erste Spiel verloren und dann das Finale erreicht. Das muss uns Mut machen“, sagte er.
Auffällig ist, dass die Reaktionen auf die jeweils ersten Partien bei beiden Teams anders ausgefallen sind als vermutet. Weder sind die Dänen nach ihrem überraschenden 1:0 gegen die Niederlande völlig euphorisch, noch die Portugiesen nach dem 0:1 gegen Deutschland übernervös.
„Wir müssen auch gegen Portugal einen sehr guten Tag erwischen, um sie zu schlagen“, sagte Dänemarks Mittelfeldstratege William Kvist vom VfB Stuttgart. Der „Sechser“ des Gegners, Miguel Veloso, meinte ganz cool: „Wir dürfen erst gar nicht ans Verlieren denken. Es liegt nur an uns, ob wir uns in eine gute Position für das letzte Spiel bringen.“
Die Portugiesen haben allerdings ein Problem, das sie gegen Deutschland eindrucksvoll zur Schau stellten: Ihre Chancenverwertung ist miserabel. „Wir haben in den letzten vier Länderspielen nur ein Tor geschossen. Das ist schon verrückt, wenn man jemanden wie Cristiano Ronaldo im Team hat“, sagte dessen Sturmpartner Nani.
Bei den portugiesischen Journalisten im EM-Quartier in Opalenica hat das Vertrauen in diese Mannschaft mittlerweile derart gelitten, dass sie ihr nicht einmal zutrauen würden, gegen eine Auswahl der Kapverdischen Inseln zu treffen. Von einem enorm wichtigen Europameisterschafts-Spiel gegen Dänemark einmal ganz zu schweigen.
Das Team selbst hat aus seiner Leistung gegen Deutschland aber auch Selbstvertrauen gezogen. „Wir haben immer noch viele Spieler, die Tore machen können. Diese Diskussion macht uns keine Angst“, sagte Nani. „Gegen Dänemark müssen wir in erster Linie intelligent spielen. Da dürfen wir nicht sinnlos ins Verderben rennen.“
Der portugiesische Verband hat sich derweil alle Mühe gegeben, dass erst gar keine Erinnerungen an 2002 aufkommen. Sein großes Medienzentrum in Opalenica ist mit Bildern von allen WM- und EM- Auftritten seit 1966 geschmückt. Das Foto von der WM 2002 zeigt einen jubelnden Pedro Pauleta. Es wurde in dem einzigen Spiel aufgenommen, das die „Goldene Generation“ bei dem Turnier gewann.
Text: Von unseren Agenturen


















