Kletterpark

Schlitten-Tour von Baum zu Baum

Hatten/Oldenburg - Okay, durchatmen. Ruhig bleiben. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, ich stehe mitten im Wald auf einem Baum. Was um Himmels Willen bewegt mich noch mal dazu, mich an so einem schönen Tag fünf Meter ins Nichts zu stürzen? Ach ja: Ich will eine Reportage über die Saisoneröffnung im „Kraxelmaxel“, dem Kletterpark in Hatten, schreiben.

Augen zu und durch: Ich springe.

„Vor sechs, sieben Jahren war ich mit meinen Kindern mal in so einer Kletter-Anlage und hab’ mir gedacht: Das können wir auch“, sagt Heinrich Herwig. Er ist der Geschäftsführer von mittlerweile vier „Kraxelmaxels“. Den in Hatten gibt es seit 2007, 2009 kam der in Aurich dazu, vergangenes Jahr folgten die in Grömitz und auf Borkum. „Ursprünglich komme ich aus Bayern, aus Pöcking am Starnberger See, daher der Name ,Kraxelmaxel‘“, erklärt Herwig. Seit 25 Jahren lebt er mittlerweile in Oldenburg.


Mitarbeiter legen Gurt an


Gemeinsam mit einer Familie sowie vier Jungs geht es für mich zur Gurt-Ausgabe. Mit ein paar geschulten Handgriffen hat mich Michael Bohlken vom Kletter-Team in den Klettergurt gewickelt. Was fehlt noch? Na klar, der Helm. Für Jante (9) und Nova (6) gibt es rote Helme, für die Erwachsenen hellblaue.

Einem absoluten Kletter-Neuling wie mir raucht nach der Einweisung kurzzeitig der Kopf. Wie war das noch? Den Rollen-Karabiner trage ich rechts, den Einhand-Karabiner am Bauch, die Karabiner sollen nur mit einer Hand bedient werden. „Sonst macht ihr irgendwann beide Karabiner auf einmal ab und seid nicht mehr gesichert“, warnt Bohlken. Auf zwei kleinen Test-Parcours sollen wir probieren und demonstrieren, ob wir verstanden haben, wie man sich beim Klettern richtig absichert.

Zunächst mal muss ich mir den goldenen Karabiner vom Baum runterziehen. Den klinke ich am Bauch in meinen Gurt ein, mein Einhand-Karabiner muss als zusätzliche Sicherung auch an die Schnur.

Natürlich habe ich mich im Vorfeld bei Herwig nach Unfällen im Kletterpark erkundigt. Man weiß ja nie. „Etwas richtig Schlimmes ist noch nicht passiert“, sagt Herwig. Er klopft mit einem „Toi, toi, toi“ dreimal auf das Holz des Empfangshäuschens. Zwar habe sich der eine oder andere mal den Fuß verknickt – aber gut, denke ich, das könnte überall passieren. „Wenn man sich an die Regeln hält, passiert nichts “, sagt Herwig.

Hochkonzentriert sichere ich mich also unter den wachsamen Augen Bohlkens auf dem Übungsparcours ab, damit ich nachher – im Ernstfall in schwindelerregenden Höhen – alles richtig mache. Und dann wird es auch schon ernst. . . na, zumindest so halb. Die Schwierigkeit und die Höhe der sechs Parcours nimmt schließlich erst nach und nach zu. Die ersten beiden Parcours dürften also ein Klacks sein – oder?


Wackelige Brücken


Die Höhe macht mir nichts aus. Aber diese Brücke, auf der ich gerade krampfhaft versuche, das Gleichgewicht zu halten, die ist verdammt wacklig. Die einzelnen Holzklötze, aus denen sie besteht, baumeln hin und her. Das Adrenalin pulsiert in meinen Adern, ich merke gar nicht, wie sehr ich meine Muskeln anspanne, um mich an den weißen Seilen festzuhalten. In der nächsten Stunde werde ich weitere Brücken überwinden, Rohre durchkriechen, auf wackligen Balken oder Drahtseilen balancieren. Äußerst originell finde ich die Fahrt auf einem Schlitten. Natürlich alles hoch oben zwischen den Baumkronen.

Am Ende eines jeden Parcours gleitet man einige Meter an einer Seilbahn entlang zurück zum Boden. Oder anders formuliert: Am Parcours-Ende springt man aus luftiger Höhe ins Nichts. Nicht lange fackeln, denke ich, stoße mich von der Plattform ab – und stelle fest: Das macht Spaß! „Sobald ihr laufen könnt, lauft. Wartet nicht, bis ihr mit dem Hintern auf dem Boden aufkommt“, sagte Bohlken in der Einweisung. Ungünstig allerdings, wenn man sich während des Flugs dreht und rückwärts ins Ungewisse düst... Egal, auf geht’s zum nächsten Parcours. Hier erwarten mich mehrere lange Seile, um auf den anderen Baum zu gelangen. Sie sind so lasch gespannt, dass sie ein U bilden. Trete ich drauf, werden sie zum V. Ich stehe auf dem ersten Seil und weiß nicht, wie ich auf das zweite kommen soll. Das nächste erscheint mir viel tiefer zu sein als jenes, auf dem ich gerade stehe. Versuche ich es zu erreichen, schwinge ich weg von ihm. „Versuch’s mal mit Schwung“, rät mir so ein neunmalkluger Besucher vom Boden aus. Wer übrigens selbst nicht klettern, sondern Familie oder Freunden einfach nur zuschauen möchte, zahlt keinen Eintritt.

Als ich den Dreh zum Überqueren der Seil-Brücke raus habe (ja, ich brauchte tatsächlich etwas Schwung), schaue ich zurück. Die neunjährige Jante tapst sich gerade Seil für Seil vor. Ob es schwierig sei, fragt Mama Anneke de Reuter. „Nee“, lautet Jantes Antwort. Familie de Reuter war aber auch, so erfahre ich kurze Zeit später, bereits vergangenes Jahr hier. „Und im Garten haben wir einen Kletterbaum“, sagt Chris de Reuter. Echte Profis also.

Ist der Geschäftsführer eines Kletterparks eher Geschäftsführer oder Kletterer? Herwig zögert kurz. „Ich bin interessiert daran, dass der Betrieb in die Gänge kommt“, sagt er. An diesem Wochenende hat er die „Kraxelmaxels“ in Hatten und Aurich im Blick, die nächsten beiden Tage geht es nach Grömitz und Borkum. Geklettert ist er das letzte Mal im Herbst, seine beiden Töchter seien mittlerweile raus aus dem Kletter-Alter. Seine Frau kümmert sich in Oldenburg um die Büro-Arbeit.

Sprung ins Netz


Auf den letzten Parcours mit der höchsten Schwierigkeitsstufe habe ich mich nicht begeben. Im freien Fall hätte ich hier unter anderem in ein meterweit entferntes Seil-Netz springen müssen. „Das ist die Stelle, an der die meisten aufgeben und sich von uns runterholen lassen“, verrät mir ein Kletterpark-Mitarbeiter. Um im Ernstfall sofort helfen zu können, müssen er und seine Kollegen nicht nur technisches Verständnis haben, sondern auch sportlich sein.

Mich musste an diesem Tag zum Glück keiner retten.

Hier kann man im Freien klettern


Kletterwald Nord: Am Stau, 26169 Thülsfelde
@   http://www.kletterwald-nord.de

Kraxelmaxel Hatten: Kreyenweg 10
Kraxelmaxel Aurich: Hoheberger Weg
Kraxelmaxel Borkum: Goethestraße 25
Kraxelmaxel Grömitz: Blankwasserweg 120
Kletterwald „Fun Forest“.
@   http://www.kraxelmaxel.de

„Forest4Fun“ Conneforde: Dorfstrasse 8d 26215 Wiefelstede
@   http://www.forest4fun.de

Text: Jantje Ziegeler (NWZ)

Diese News wurde am 27.03.2012 um 11:14 Uhr von Redaktion veröffentlicht.
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